Lexikon · Meetings & Moderation

Was ist ein World Café?

Kurz erklärt

Ein World Café ist eine Methode für große Gruppen: Kleine Runden an Tischen sprechen nacheinander über dieselben Fragen, nach jeder Runde wechseln die Teilnehmenden den Tisch. Nur die Gastgeber bleiben sitzen und tragen die Gedanken weiter.

Auch genannt: Wissenscafé · Café-Methode

Woher die Methode kommt

Das World Café entstand 1995 eher zufällig: Juanita Brown und David Isaacs hatten in ihrem Haus in Mill Valley (Kalifornien) zu einem Gespräch im großen Kreis eingeladen. Weil es regnete, setzten sich die rund zwei Dutzend Gäste an kleine Tische, schrieben auf die Papiertischdecken und wechselten nach einer Weile die Plätze. Die Gespräche waren so ergiebig, dass die beiden untersuchten, warum – und daraus eine Methode machten.

Die Grundidee: In kleinen Runden spricht jede Person, und durch das Wechseln der Tische vernetzen sich die Gedanken der ganzen Gruppe. Am Ende kennt nicht jeder jedes Argument, aber die Gruppe hat ein gemeinsames Bild entwickelt.

So läuft ein World Café ab

Die Gründer beschreiben ein einfaches Grundgerüst, das sich an Gruppengröße und Anlass anpassen lässt:

  • Café-Atmosphäre: Tische mit vier, höchstens fünf Stühlen, beschreibbare Papiertischdecken, Stifte. Wer schreibt oder zeichnet, denkt mit.
  • Drei oder mehr Runden zu je etwa 20 Minuten, jeweils zu einer Frage oder zu aufeinander aufbauenden Fragen.
  • Gastgeber:innen: Pro Tisch bleibt eine Person sitzen, begrüßt die nächste Runde und fasst in zwei Sätzen zusammen, was vorher besprochen wurde. Alle anderen verteilen sich neu.
  • Ernte (Harvest): Zum Schluss werden die wichtigsten Erkenntnisse im Plenum geteilt – oft visuell festgehalten, etwa auf einer Pinnwand oder durch Graphic Recording.

Hinter dem Ablauf stehen sieben Gestaltungsprinzipien: den Kontext klären, einen einladenden Raum schaffen, Fragen erforschen, die wirklich zählen, jeden Beitrag ermutigen, unterschiedliche Perspektiven verbinden, gemeinsam auf Muster und Einsichten hören und die gemeinsamen Entdeckungen teilen.

Die Frage entscheidet über das Ergebnis

Ein World Café ist nur so gut wie seine Fragen. Schwache Fragen lassen sich mit Ja oder Nein beantworten oder haben eine richtige Lösung („Sollen wir die Öffnungszeiten ändern?“). Starke Fragen sind offen, betreffen alle am Tisch und laden zum Weiterdenken ein („Was müsste sich ändern, damit Kund:innen bei uns lieber vorbeikommen als online bestellen?“).

Bewährt hat sich eine Abfolge: In der ersten Runde geht es um Erfahrungen, in der zweiten um Ursachen oder Möglichkeiten, in der dritten um erste Ideen fürs Handeln. Für konkrete Entscheidungen ist die Methode dagegen nicht gemacht – sie öffnet ein Thema, statt es abzuschließen. Beschlüsse folgen später in einem anderen Format.

Abgrenzung zu Open Space, Fishbowl und Brainstorming

Alle drei Formate arbeiten mit großen Gruppen, setzen aber unterschiedlich an:

Wer bestimmt die Themen?Wie wird gesprochen?
World CaféDie Veranstalter geben die Fragen vorAlle Tische zur selben Frage, Wechsel nach jeder Runde
Open SpaceDie Teilnehmenden bringen eigene Themen einParallele Gruppen, jeder geht, wohin er will
FishbowlDie Moderation gibt ein Thema vorKleiner Innenkreis diskutiert, der Außenkreis hört zu und kann einsteigen
BrainstormingEine konkrete AufgabeEine Gruppe sammelt möglichst viele Ideen ohne Bewertung

Ergebnisse festhalten

Die beschriebenen Tischdecken sind das erste Protokoll – sie werden am Ende fotografiert, bevor jemand aufräumt. Die Gastgeber:innen notieren zusätzlich je Runde drei Kernpunkte, denn auf den Tischdecken stehen oft nur Stichworte, die ohne Gespräch niemand mehr versteht.

Für die Dokumentation hat sich eine Gliederung nach Fragen bewährt: pro Frage die wiederkehrenden Muster, überraschende Einzelideen und offene Fragen. Ein Wortprotokoll ist bei parallel laufenden Tischen weder möglich noch sinnvoll. Was aus dem Café folgen soll, gehört als Aufgabe mit Verantwortlichen auf eine eigene Liste.

Beispiel
World Café in einem Musikverein

Der Musikverein Kleinberg lädt 40 Mitglieder zu einem Samstagnachmittag ein. Zehn Tische, drei Runden zu je 20 Minuten.

Runde 1: „Was hat dich damals im Verein gehalten?“ · Runde 2: „Warum hören Jugendliche nach der Musikschule auf?“ · Runde 3: „Was könnten wir schon im nächsten Halbjahr anders machen?“

Ernte: An fast allen Tischen taucht auf, dass Proben für Jugendliche zu spät am Abend liegen und es außer Konzerten kaum gemeinsame Unternehmungen gibt. Zwei Ideen werden für die nächste Vorstandssitzung als Anträge vorbereitet.

Dieser Eintrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Beratung.

Häufige Fragen
Wie viele Personen braucht ein World Café?

Ab etwa zwölf Personen lohnt es sich, damit mindestens drei Tische zustande kommen. Nach oben gibt es kaum eine Grenze, solange genug Platz und Gastgeber:innen da sind.

Wie lange dauert ein World Café?

Drei Runden zu je etwa 20 Minuten plus Einführung und gemeinsame Ernte – meist 90 Minuten bis zwei Stunden.

Kann man ein World Café online durchführen?

Ja, mit Breakout-Räumen statt Tischen und einem digitalen Whiteboard statt Tischdecken. Die Gastgeber:innen bleiben dann im selben Raum, die anderen werden neu verteilt.

Was ist der Unterschied zwischen World Café und Open Space?

Beim World Café gibt die Veranstaltung die Fragen vor und alle Tische arbeiten daran. Bei Open Space bringen die Teilnehmenden ihre eigenen Themen ein und wählen frei, wo sie mitreden.

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