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Brainstorming online: So entstehen Ideen auch im Videocall

Online-Brainstorming funktioniert am besten, wenn alle zuerst still und schriftlich Ideen sammeln – auf einem gemeinsamen Whiteboard oder in einem Dokument – und erst danach gemeinsam vorstellen, ordnen und bewerten. So kommen auch die Leisen zu Wort, und niemand redet im Call durcheinander.

Aktualisiert am 8. Oktober 2026 · von Paul Hölzl & Ben Braunsperger
Auf einen Blick
  • Im Call kann immer nur eine Person sprechen – deshalb schriftlich sammeln, mündlich besprechen.
  • Eine konkrete „Wie können wir …?“-Frage und vier bis acht Teilnehmende.
  • Das Werkzeug vorher testen; ein geteiltes Dokument reicht oft völlig.
  • Bewerten erst nach dem Sammeln, zum Beispiel mit drei Punkten pro Person.
  • Am Ende stehen höchstens zwei Ideen mit Namen und nächstem Schritt.

Warum klassisches Brainstorming im Call scheitert

Im Besprechungsraum ruft jemand eine Idee, eine andere greift sie auf, drei Leute lachen, und die Moderatorin schreibt mit. Im Videocall bricht dieses Zusammenspiel zusammen. Wer gleichzeitig zu sprechen beginnt, verstummt verlegen. Die kurze Verzögerung macht schnelles Aufgreifen schwer. Und wer ohnehin gern redet, dominiert online noch stärker, weil die anderen nicht per Blick signalisieren können, dass sie auch etwas sagen wollen.

Die Lösung ist kein besseres Programm, sondern ein anderer Ablauf: Gesammelt wird gleichzeitig und schriftlich. Jede Person schreibt für sich, alle sehen die Ideen der anderen wachsen. Gesprochen wird erst, wenn es ums Erklären, Weiterdenken und Ordnen geht.

Vorbereitung: Frage, Runde, Werkzeug

Die Fragestellung entscheidet über die Qualität der Ideen. „Ideen für Marketing“ ist zu breit. „Wie können wir Bestandskund:innen dazu bringen, uns weiterzuempfehlen – ohne Rabatte?“ ist konkret und hat einen Rahmen. Schick die Frage mit der Einladung mit, damit niemand kalt startet.

Vier bis acht Personen sind ideal. Bei mehr Leuten teilt ihr die Gruppe für die Sammelphase in Breakout-Räume auf. Beim Werkzeug gilt: das einfachste, das alle bedienen können.

WerkzeugGut fürDarauf achten
Digitales WhiteboardKlebezettel, Clustern, Punkte vergeben – fast wie an der PinnwandNeue Teilnehmende brauchen ein paar Minuten zum Ausprobieren; Zugang vorab schicken
Geteiltes Dokument oder TabelleSchnelle Listen, Brainwriting, Gruppen ohne Whiteboard-ErfahrungClustern ist mühsamer; eine Zeile pro Idee vorgeben
Chat im Call-ProgrammKurze Runden mit wenigen IdeenWird schnell unübersichtlich, schwer zu ordnen

Bereite das Board oder Dokument fertig vor: Frage oben, Sammelbereich, leere Felder fürs Clustern, ein Bereich für Ideen, die gerade nicht passen. Wer im Call erst Felder anlegt, verliert die Runde.

Kläre außerdem, ob du allein moderierst oder Unterstützung hast. Ab sechs Teilnehmenden lohnt sich eine zweite Person, die im Board aufräumt, doppelte Zettel zusammenschiebt und technische Fragen im Chat beantwortet, während du durch den Ablauf führst. Und schick fünf Minuten vor Beginn noch einmal den Link zum Board – der Satz „Ich finde die Einladung nicht“ kostet sonst die ersten zehn Minuten.

Ein Ablauf für 45 Minuten

Dieser Ablauf funktioniert für die meisten Fragestellungen. Die Zeiten sind Richtwerte, die Reihenfolge ist wichtig:

  1. Einstieg (5 Minuten): Ziel nennen, Regeln ansagen, alle einmal im Werkzeug einen Test-Zettel schreiben lassen.
  2. Frage klären (5 Minuten): Was gehört dazu, was nicht? Welche Grenzen gibt es, etwa Budget oder Zeitraum?
  3. Stille Sammelphase (8 Minuten): Jede Person schreibt für sich, eine Idee pro Zettel oder Zeile. Timer sichtbar, Mikros aus.
  4. Vorstellen (10 Minuten): Reihum stellt jede Person ihre Ideen in einem Satz vor. Neue Ideen, die dabei entstehen, sofort dazuschreiben.
  5. Ordnen (7 Minuten): Ähnliche Ideen zusammenschieben, jedem Cluster einen Titel geben.
  6. Bewerten (5 Minuten): Jede Person vergibt drei Punkte, still und gleichzeitig.
  7. Nächste Schritte (5 Minuten): Die ein bis zwei stärksten Ideen bekommen eine verantwortliche Person und einen Termin.

Methoden, die am Bildschirm gut funktionieren

Die stille Sammelphase ist die Grundform. Je nach Gruppe und Frage helfen diese Varianten:

  • Brainwriting nach 6-3-5: Sechs Personen schreiben je drei Ideen in fünf Minuten und geben weiter. Online: eine Tabelle mit einer Spalte pro Person, nach jeder Runde rückt jede Person eine Spalte weiter und baut auf den Ideen dort auf.
  • Kopfstand: Statt „Wie gewinnen wir Neukund:innen?“ fragt ihr „Wie vergraulen wir garantiert alle Interessent:innen?“. Die Antworten sind schneller da, und umgedreht ergeben sie brauchbare Ideen. Gut für müde Gruppen.
  • Reihum im Chat: Jede Person tippt eine Idee, schickt sie aber erst ab, wenn die Moderation „jetzt“ sagt. Alle Ideen erscheinen gleichzeitig, niemand orientiert sich an den ersten.
  • Skizzen statt Worte: Für Gestaltungsfragen faltet jede Person ein Blatt in acht Felder, zeichnet in acht Minuten acht Varianten und hält das Blatt danach in die Kamera oder lädt ein Foto hoch.

Ein Tipp für alle Methoden: Kündige an, dass Masse erwünscht ist. Die zwanzigste Idee ist selten die beste, aber sie macht den Weg für die einundzwanzigste frei.

Moderation im Call

Wer online moderiert, muss mehr ansagen als vor Ort. Sag zu Beginn jeder Phase, was passiert, wie lange sie dauert und was danach kommt. Teile den Timer. Und halte die Stille in der Sammelphase aus – acht Minuten ohne Gespräch fühlen sich im Call lang an, sind aber der produktivste Teil.

In der Vorstellungsrunde ist die wichtigste Regel: Ideen werden erklärt, nicht bewertet. Wenn jemand ansetzt mit „Das haben wir schon probiert …“, unterbrich freundlich: „Merk dir das für die Bewertung – jetzt sammeln wir noch.“ Hilfreich ist die Formel „Ja, und …“: Jede Reaktion auf eine Idee baut sie weiter, statt sie zu begrenzen.

Achte auf die Leisen. Wer in der Sammelphase viel geschrieben hat, in der Vorstellung aber kurz angebunden ist, bekommt eine direkte Frage: „Lisa, deine Idee mit dem Empfehlungskärtchen – wie hast du dir das vorgestellt?“ Mehr dazu in Stille Teilnehmer einbinden.

Bewerten und auswählen

Online ist das Bewerten sogar leichter als vor Ort: Punkte lassen sich gleichzeitig und anonym vergeben, niemand schaut, wohin die Chefin klebt. Drei Punkte pro Person haben sich bewährt; ob jemand alle drei auf eine Idee setzen darf, legst du vorher fest.

Punkte zeigen Begeisterung, nicht Machbarkeit. Für die Top-Ideen lohnt deshalb ein zweiter Blick mit zwei Kriterien:

Wenig AufwandViel Aufwand
Große WirkungSofort umsetzenPlanen, Verantwortliche bestimmen
Kleine WirkungNebenbei mitnehmenVorerst in den Ideenspeicher

Wenn sich die Gruppe nicht einig wird, welche Idee weiterverfolgt wird, hilft ein klares Entscheidungsverfahren – welche es gibt, steht in Entscheidungen im Meeting treffen.

Ergebnisse sichern

Ein Whiteboard voller Zettel ist kein Ergebnis, sondern Material. Exportiere Board oder Dokument direkt nach dem Call und schreib am selben Tag eine kurze Zusammenfassung: die Fragestellung, die Cluster mit Titeln, die ausgewählten Ideen mit nächstem Schritt und den Ideenspeicher. Den Rahmen dafür liefert die Vorlage fürs Brainstorming-Protokoll.

Was beim Export fehlt, ist oft das Wichtigste: die Begründungen aus der Vorstellungsrunde. Warum war die Idee mit dem Empfehlungskärtchen so überzeugend? Wer hat welche Bedenken genannt? Notiere das kurz, solange es frisch ist, sonst steht in vier Wochen nur noch ein Stichwort ohne Zusammenhang da.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Beratung. Stand der Angaben: 8. Oktober 2026.

Häufige Fragen
Wie funktioniert Brainstorming online?

Am besten in zwei Phasen: Erst sammeln alle still und gleichzeitig auf einem Whiteboard oder in einem Dokument, dann werden die Ideen reihum vorgestellt, geordnet und bewertet.

Welches Tool brauche ich für ein Online-Brainstorming?

Ein digitales Whiteboard ist praktisch, aber nicht nötig. Ein geteiltes Dokument mit einer Zeile pro Idee funktioniert für die meisten Gruppen genauso gut.

Wie viele Personen sollten an einem Online-Brainstorming teilnehmen?

Vier bis acht. Bei größeren Gruppen sammelt ihr in kleineren Breakout-Räumen und führt die Ergebnisse danach zusammen.

Wie lange dauert ein Online-Brainstorming?

Für eine konkrete Frage reichen 45 Minuten inklusive Bewertung. Länger als 90 Minuten am Stück wird online anstrengend; dann lieber zwei Termine.

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