Lexikon · Meetings & Moderation

Was ist Brainstorming?

Kurz erklärt

Brainstorming ist eine Kreativitätstechnik, bei der eine Gruppe zu einer klar gestellten Frage möglichst viele Ideen sammelt, ohne sie währenddessen zu bewerten. Erst in einem zweiten Schritt wird sortiert, kombiniert und ausgewählt.

Auch genannt: Ideensammlung · Ideenfindung in der Gruppe

Herkunft und die vier Regeln

Die Methode geht auf Alex F. Osborn zurück, Mitgründer der amerikanischen Werbeagentur BBDO. Er suchte nach einem Weg, in Besprechungen mehr und mutigere Ideen zu bekommen, und beschrieb das Vorgehen in mehreren Büchern; in „Applied Imagination“ (1953) stellte er es ausführlich vor. Osborns Grundgedanke: Ideen finden und Ideen beurteilen sind zwei verschiedene Tätigkeiten, die man nicht gleichzeitig tun sollte.

Daraus leiten sich die vier klassischen Regeln ab:

  • Keine Kritik: Bewertet wird später – auch kein Augenrollen, kein „Das hatten wir schon“.
  • Menge vor Güte: Je mehr Ideen, desto größer die Chance, dass gute dabei sind.
  • Ungewöhnliches ist erwünscht: Abwegige Vorschläge können auf brauchbare Gedanken bringen.
  • Weiterbauen erlaubt: Ideen anderer aufgreifen, kombinieren und verbessern.

Ablauf eines Brainstormings

Am Anfang steht eine präzise Frage. „Ideen fürs Marketing“ ist zu breit; „Wie gewinnen wir bis Herbst zehn neue Kunden in Linz?“ gibt Richtung. Dann folgt eine begrenzte Sammelphase, meist 15 bis 30 Minuten, in der eine Person alle Beiträge sichtbar mitschreibt – am Flipchart, auf Karten oder in einem digitalen Whiteboard.

Danach wird die Liste geordnet: Doppeltes zusammengefasst, Ähnliches gruppiert. Erst jetzt wird bewertet, etwa durch Punkte, die alle verteilen dürfen. Am Ende stehen zwei oder drei Ideen, die weiterverfolgt werden – mit Namen und Termin, sonst bleibt es beim Sammeln.

Warum Gruppen oft weniger finden als gedacht

Brainstorming gehört zu den am häufigsten untersuchten Kreativitätstechniken – mit ernüchternden Ergebnissen. Schon Ende der 1950er-Jahre zeigten Versuche, dass Einzelne, die zunächst allein Ideen sammeln, zusammengenommen oft mehr Ideen hervorbringen als eine gleich große Gruppe, die gemeinsam brainstormt.

Die Gründe sind leicht nachvollziehbar: Es kann immer nur eine Person sprechen, während die anderen ihre Gedanken festhalten oder vergessen. Manche halten sich aus Sorge vor Bewertung zurück, andere verlassen sich auf die Gruppe. Und frühe Ideen lenken alle in dieselbe Richtung.

Varianten: Brainwriting und 6-3-5

Diese Schwächen haben zu schriftlichen Varianten geführt. Beim Brainwriting schreiben alle zuerst still für sich, bevor die Ideen zusammengetragen werden. Die bekannteste Form ist die Methode 6-3-5, die Bernd Rohrbach Ende der 1960er-Jahre beschrieben hat: Sechs Personen notieren je drei Ideen auf ein Formular und geben es nach etwa fünf Minuten weiter; die nächste Person ergänzt oder entwickelt weiter. Nach sechs Runden liegen bis zu 108 Ideen vor.

Abgrenzen lässt sich Brainstorming auch von größeren Formaten: Ein Workshop kann ein Brainstorming enthalten, umfasst aber meist mehrere Arbeitsschritte bis zum Ergebnis. Design Thinking nutzt Ideensammlungen als eine Phase in einem längeren Prozess, der beim Verständnis der Nutzer beginnt.

Beispiel
Brainstorming in einem Fitnessstudio

Frage: Wie halten wir Mitglieder, die nach drei Monaten seltener kommen?

Gesammelt in 20 Minuten (Auszug): Erinnerung per SMS nach zwei Wochen Pause · Trainingspartner-Börse · Kurzworkouts für die Mittagspause · Fortschrittsmessung alle sechs Wochen · Bring-a-friend-Abend · Pausieren statt Kündigen anbieten

Bewertung mit Klebepunkten: Fortschrittsmessung (7), Pausieren statt Kündigen (6), Kurzworkouts (4).

Weiter: Studioleiter Huber erstellt bis Monatsende ein Konzept für die Fortschrittsmessung.

Dieser Eintrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Beratung.

Häufige Fragen
Wie viele Personen braucht ein Brainstorming?

Gut funktionieren vier bis acht Personen. In größeren Gruppen kommen viele kaum zu Wort; dann lohnt es sich, in kleinere Runden zu teilen oder schriftlich zu sammeln.

Wie lange sollte ein Brainstorming dauern?

Die Sammelphase dauert meist 15 bis 30 Minuten. Danach folgen Ordnen und Bewerten, die noch einmal so viel Zeit brauchen können.

Was ist der Unterschied zwischen Brainstorming und Brainwriting?

Beim Brainstorming werden Ideen laut in der Gruppe gesammelt, beim Brainwriting schreiben alle zuerst für sich. Brainwriting verhindert, dass wenige Stimmen die Richtung vorgeben.

Kann man Brainstorming online machen?

Ja, mit einem digitalen Whiteboard oder einem geteilten Dokument. Online bietet sich besonders an, zuerst still zu schreiben und dann gemeinsam zu sortieren.

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