Herkunft: die Kaffeepause als Vorbild
Entwickelt hat die Methode der US-amerikanische Organisationsberater Harrison Owen Mitte der 1980er-Jahre. Ausgangspunkt war eine Beobachtung, die viele kennen: Bei Konferenzen passieren die wertvollsten Gespräche oft nicht in den Vorträgen, sondern in den Kaffeepausen. Owen fragte sich, wie eine ganze Veranstaltung diese Energie bekommen könnte.
Seine Antwort war ein Format fast ohne vorgegebenes Programm. Es gibt ein Leitthema, einen Rahmen aus Zeit und Räumen und wenige Regeln – den Rest gestalten die Teilnehmenden. Owen beschrieb die Methode in seinem Buch „Open Space Technology: A User's Guide“. Sie wird für Gruppen von wenigen bis zu mehreren hundert Personen eingesetzt.
So läuft ein Open Space ab
Ein Open Space dauert meist einen halben bis drei Tage und folgt einem festen Rahmen:
- Eröffnung im Kreis: Alle sitzen in einem großen Stuhlkreis, die Begleitung erklärt Leitthema, Prinzipien und Ablauf
- Marktplatz: Wer ein Anliegen hat, tritt in die Mitte, nennt es, schreibt es auf ein Blatt und hängt es an die Anliegenwand mit Zeit und Raum
- Sessions: Parallel laufen Gesprächsrunden zu den Anliegen; wer eine einbringt, lädt ein und sorgt für eine kurze Dokumentation
- Nachrichten: In mehrtägigen Formaten gibt es kurze Morgen- und Abendrunden im Plenum
- Abschlusskreis: Alle kommen wieder zusammen; oft werden die Ergebnisse gesichtet, priorisiert und in nächste Schritte übersetzt
Am Ende hält jede Session ihre Ergebnisse auf einem Bericht fest, der für alle ausgehängt oder gesammelt wird. Diese Sammlung ist die eigentliche Dokumentation des Open Space.
Die vier Prinzipien und das Gesetz der zwei Füße
Open Space kommt mit sehr wenigen Regeln aus. Die vier Prinzipien lauten sinngemäß: Wer auch immer kommt, es sind die richtigen Leute. Was auch immer geschieht, es ist das Einzige, was geschehen konnte. Es beginnt, wenn die Zeit reif ist. Vorbei ist vorbei.
Dazu kommt das Gesetz der zwei Füße: Wer in einer Runde weder etwas lernt noch etwas beiträgt, soll sie verlassen und dorthin gehen, wo das möglich ist. Owen nannte die, die zwischen Gruppen wechseln, „Hummeln“, weil sie Ideen weitertragen, und die, die sich zurückziehen, „Schmetterlinge“ – aus deren ruhigen Gesprächen oft Unerwartetes entsteht.
Wann Open Space passt – und wann nicht
Die Methode eignet sich für komplexe Fragen, die viele betreffen, für die es keine fertige Lösung gibt und bei denen die Beteiligten echtes Interesse mitbringen: eine Neuausrichtung im Unternehmen, die Zukunft einer Gemeinde, ein großes Vereinsjubiläum. Je vielfältiger die Gruppe, desto mehr spielt Open Space seine Stärke aus.
Ungeeignet ist sie, wenn das Ergebnis schon feststeht und nur noch abgesegnet werden soll – dann merken die Teilnehmenden schnell, dass ihre Anliegen nicht zählen. Auch für reine Wissensvermittlung oder formale Beschlüsse ist sie das falsche Werkzeug. Verwandte Formate sind das World Café, bei dem in wechselnden Tischrunden an vorgegebenen Fragen gearbeitet wird, und das Barcamp, das die Sessionplanung durch die Teilnehmenden übernommen hat.
Eine Marktgemeinde lädt unter dem Leitthema „Wie wollen wir 2035 in unserem Ortskern leben?“ zu einem eintägigen Open Space. 80 Personen kommen, darunter Gewerbetreibende, Jugendliche, Vereine und Pensionist:innen.
Am Marktplatz entstehen 17 Anliegen, von „Leerstand im Zentrum“ über „Treffpunkt für Jugendliche“ bis „Sichere Schulwege“. In drei Zeitblöcken laufen jeweils bis zu sechs Sessions parallel; jede hält ihre Ergebnisse auf einem Blatt fest.
Im Abschlusskreis werden die Berichte ausgehängt und mit Punkten priorisiert. Für die drei Themen mit den meisten Punkten bilden sich Arbeitsgruppen, die dem Gemeinderat bis Herbst Vorschläge vorlegen.
Dieser Eintrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Beratung.