Aufbau: Innenkreis, Außenkreis, freier Stuhl
Der Name kommt vom englischen „fishbowl“, dem Goldfischglas: Die Diskutierenden in der Mitte sitzen wie im Glas, die anderen schauen von außen zu. Im Innenkreis stehen meist vier bis sechs Stühle, besetzt mit Personen, die zum Thema etwas zu sagen haben – Fachleute, Betroffene, Vertreter:innen verschiedener Positionen. Oft gehört die Moderation mit in den Innenkreis.
Ein oder zwei Stühle im Innenkreis bleiben frei. Wer aus dem Außenkreis etwas beitragen möchte, setzt sich auf den freien Stuhl, bringt seinen Beitrag ein und verlässt ihn danach wieder. So wird aus einer Podiumsdiskussion ein Gespräch, an dem sich alle beteiligen können, ohne dass dreißig Leute gleichzeitig reden.
Ablauf einer offenen Fishbowl
Eine typische Fishbowl dauert 20 bis 45 Minuten und läuft etwa so:
- Einführung: Die Moderation erklärt Thema, Leitfrage und die Regeln für den freien Stuhl
- Impuls: Die Personen im Innenkreis eröffnen mit kurzen Statements
- Diskussion: Nur der Innenkreis spricht; der Außenkreis hört zu
- Wechsel: Setzt sich jemand auf den freien Stuhl, kommt diese Person als Nächste dran; je nach Variante verlässt danach sie selbst oder eine andere Person den Innenkreis
- Abschluss: Die Moderation fasst Kernpunkte, Übereinstimmungen und offene Fragen zusammen
Bei der geschlossenen Fishbowl gibt es keinen freien Stuhl. Die Gruppe im Innenkreis diskutiert eine Zeit lang, dann tauschen Innen- und Außenkreis komplett oder die Außenstehenden geben im Anschluss Rückmeldung zu dem, was sie gehört haben.
Wann sich die Methode eignet
Fishbowl passt, wenn eine größere Gruppe ein Thema aus mehreren Perspektiven beleuchten soll, ohne dass es zur Massendiskussion wird: in Konferenzen statt einer Podiumsdiskussion, bei Mitarbeiterversammlungen zu einer Veränderung, in Schulungen, in Bürgerbeteiligungsverfahren oder bei Fachtagungen. Sie eignet sich besonders für kontroverse Themen, weil der Außenkreis die Argumente in Ruhe verfolgen kann.
Weniger geeignet ist sie, wenn am Ende eine Entscheidung stehen muss. Die Fishbowl öffnet und vertieft ein Thema; entschieden wird danach mit einem anderen Verfahren. Sie funktioniert auch nur, wenn im Innenkreis tatsächlich Menschen mit Substanz sitzen – sonst hört der Außenkreis einem Gespräch zu, das er selbst besser führen könnte.
Online-Fishbowl und Dokumentation
Im Videocall lässt sich die Methode nachbilden: Nur der Innenkreis hat Kamera und Mikrofon an, alle anderen hören zu. Wer einsteigen will, nutzt die Funktion „Hand heben“ – das ist der freie Stuhl. Die Moderation holt die Person dann aktiv nach vorne.
Schwierig ist das Protokollieren, weil die Sprechenden ständig wechseln. Bewährt hat sich eine Person im Außenkreis, die nur Kernargumente, Übereinstimmungen und offene Fragen notiert, nicht wer was gesagt hat. Soll die Diskussion aufgezeichnet werden, müssen alle Teilnehmenden vorab davon wissen und einverstanden sein.
Ein Produktionsbetrieb mit 60 Mitarbeitenden plant die Umstellung auf ein neues Schichtmodell. Statt einer Präsentation gibt es eine Fishbowl: Im Innenkreis sitzen Produktionsleiter Huber, Betriebsrätin Berger, eine Schichtführerin, ein Lehrling und ein freier Stuhl.
In 40 Minuten nutzen elf Personen aus dem Außenkreis den freien Stuhl. Am Ende hält die Moderatorin fest: Einigkeit über die Wochenendregel, offene Fragen zu Übergabezeiten und Kinderbetreuung. Diese beiden Punkte bearbeitet eine Arbeitsgruppe bis zur nächsten Versammlung.
Dieser Eintrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Beratung.