Wer das Bautagebuch führt
In Deutschland gehört die Dokumentation des Bauablaufs zu den Grundleistungen der Objektüberwachung, die Architekt:innen und Ingenieur:innen nach der HOAI in Leistungsphase 8 erbringen; die Verordnung nennt dafür ausdrücklich das Bautagebuch als Beispiel. Daneben führen viele ausführende Firmen eigene Bautagesberichte, um ihre Leistungen, Arbeitsstunden und Behinderungen festzuhalten.
In Österreich unterscheidet die ÖNORM B 2110, wenn sie vereinbart ist, zwei Dokumente. Das Baubuch führen Bauleitung oder örtliche Bauaufsicht; es liegt auf der Baustelle, der Auftragnehmer kann es mindestens einmal pro Woche einsehen und selbst Einträge machen. Darin stehen Anordnungen und alle für die Leistung relevanten Sachverhalte. Bautagesberichte führt dagegen der Auftragnehmer, etwa über Arbeitskräfte, Geräte, Leistungsfortschritt, Wetter, Material und Regieleistungen. Damit sie dieselbe Wirkung wie das Baubuch haben, braucht es eine gesonderte Vereinbarung.
Was täglich eingetragen wird
Ein guter Eintrag beantwortet, was heute auf der Baustelle los war – so, dass es auch in zwei Jahren noch verständlich ist:
- Datum, Arbeitszeiten, Wetter und Temperatur, besonders bei witterungsabhängigen Arbeiten
- Anwesende Firmen mit Anzahl der Arbeitskräfte und eingesetzten Geräten
- Ausgeführte Leistungen, nach Bauteil oder Gewerk
- Lieferungen, Abnahmen von Teilleistungen, Prüfungen
- Anordnungen der Bauherrschaft oder Bauaufsicht, Planänderungen, Planlieferungen
- Behinderungen, Unterbrechungen, Unfälle und Schäden
- Besuche von Behörden, Sachverständigen oder Bauherr:innen
Warum Details später Geld wert sind
Viele Streitigkeiten am Bau drehen sich um Zeit: Wer hat die Verzögerung verursacht, und wer zahlt die Mehrkosten? Eine Behinderung lässt sich Monate später nur dann belegen, wenn sie am Tag selbst festgehalten wurde. „Gerüst fehlt“ hilft wenig. „7:30 Uhr: Gerüst an der Nordseite fehlt, Kolonne Leitner mit vier Mann wartet bis 10:15 Uhr, Gerüstbauer telefonisch verständigt“ dagegen schon.
Dasselbe gilt für Anordnungen, die nur mündlich auf der Baustelle gegeben werden, etwa eine andere Fliese oder ein verschobener Durchbruch. Steht die Anordnung mit Datum und Person im Bautagebuch, lässt sich später nachvollziehen, warum eine Leistung anders ausgeführt wurde als geplant. Einträge sollten deshalb zeitnah, sachlich und ohne nachträgliche Änderungen gemacht werden. Fällt später etwas ein, kommt ein eigener, datierter Zusatz dazu.
Abgrenzung zu anderen Bauprotokollen
Das Bautagebuch ist chronologisch und läuft durch, solange gebaut wird. Ein Baubesprechungsprotokoll hält dagegen fest, was in einer bestimmten Besprechung mit den Beteiligten vereinbart wurde – oft im Wochenrhythmus und mit Aufgaben für die einzelnen Firmen. Ein Abnahmeprotokoll dokumentiert am Ende den Zustand der fertigen Leistung und die festgestellten Mängel.
Heute wird das Bautagebuch oft digital geführt, mit Fotos, deren Aufnahmezeit automatisch gespeichert wird. Die Form ist zweitrangig. Entscheidend ist, dass jeden Tag ein Eintrag entsteht, auch an Tagen, an denen scheinbar nichts passiert: „Keine Arbeiten wegen Frost“ ist ebenfalls eine wichtige Information.
Dienstag, 4. November · Bauvorhaben Wohnanlage Hofer, Bauteil B · Wetter: bewölkt, 3 °C am Morgen, trocken
Anwesend: Baumeister Gruber (6 Arbeitskräfte, 1 Kran), Elektro Huber (2), Installationen Wimmer (2)
Leistungen: Decke über Erdgeschoss geschalt und bewehrt, Achsen 1–4. Leerverrohrung Elektro im 1. Obergeschoss.
Behinderung: Bewehrungsplan für Achsen 5–8 fehlt weiterhin, von der Bauleitung am 31. 10. angefordert. Betonage der gesamten Decke daher nicht möglich.
Anordnung: Bauherrin Hofer ordnet vor Ort zusätzliche Steckdose im Raum B 1.04 an (Elektro Huber informiert).
Dieser Eintrag gibt einen allgemeinen Überblick und ersetzt keine Rechtsberatung.