Lexikon · Vertrieb & Kunden

Was ist Churn (Kundenabwanderung)?

Kurz erklärt

Churn bezeichnet die Abwanderung von Kund:innen – Verträge, die gekündigt oder nicht verlängert werden. Die Churn Rate gibt an, welcher Anteil der Kunden oder des wiederkehrenden Umsatzes in einem bestimmten Zeitraum verloren geht.

Auch genannt: Kundenabwanderung · Abwanderungsrate · Churn Rate

Kunden-Churn und Umsatz-Churn

Das Wort kommt aus dem Englischen („to churn“ – aufwühlen, umwälzen) und hat sich vor allem bei Abo-Modellen, Telekommunikation und Software eingebürgert. Es lässt sich aber auf jedes Geschäft mit wiederkehrenden Verträgen übertragen: Wartungsverträge, Agenturpauschalen, Steuerberatungsmandate.

Gemessen wird Churn auf zwei Arten, die unterschiedliche Fragen beantworten:

KennzahlBerechnungBeantwortet
Kunden-Churn-Rateverlorene Kunden im Zeitraum ÷ Kunden zu Beginn des ZeitraumsWie viele Beziehungen enden?
Umsatz-Churn (brutto)wiederkehrender Umsatz, der durch Kündigungen und Herabstufungen wegfällt ÷ wiederkehrender Umsatz zu BeginnWie viel Umsatz geht verloren?
Net Revenue Retention(Umsatz zu Beginn + Erweiterungen − Herabstufungen − Kündigungen) ÷ Umsatz zu BeginnWächst der Bestand aus sich heraus?

Wichtig ist die Basis: Neukunden, die im Zeitraum dazukommen, zählen weder im Zähler noch im Nenner. Sonst sieht die Rate besser aus, als sie ist. Liegt die Net Revenue Retention über 100 %, gleichen Erweiterungen wie Upselling die Verluste mehr als aus – man spricht dann auch von negativem Churn.

Freiwillig, unfreiwillig, unbemerkt

Freiwilliger Churn heißt: Der Kunde entscheidet sich bewusst zu gehen. Unfreiwilliger Churn entsteht ohne Absicht, etwa wenn eine Abbuchung scheitert, weil eine Kreditkarte abgelaufen ist. Er lässt sich mit Erinnerungen und einem sauberen Mahnablauf oft technisch beheben und sollte getrennt ausgewiesen werden.

Schwieriger ist Abwanderung ohne Vertrag. Ein Großhandelskunde kündigt nicht – er bestellt einfach weniger und irgendwann gar nicht mehr. Hier braucht es eine eigene Definition, zum Beispiel „zwölf Monate ohne Bestellung“, und einen Blick auf sinkende Bestellmengen, bevor der Kunde ganz weg ist.

Wo sich Abwanderung ankündigt

Die eigentliche Kündigung ist meist das Ende einer längeren Entwicklung. Typische Vorboten hört man in Gesprächen lange vorher:

  • Der Nutzen ist nie angekommen: Das Onboarding wurde nicht abgeschlossen, das vereinbarte Ziel nie erreicht.
  • Die Fürsprecherin ist weg: Die Person, die den Vertrag wollte, hat das Unternehmen verlassen. Ihr Nachfolger kennt die Gründe nicht.
  • Neue Prioritäten: „Unser neuer Geschäftsführer lässt alle laufenden Verträge prüfen.“
  • Wiederholte Beschwerden über dasselbe Thema, auch wenn sie freundlich formuliert sind.
  • Rückzug: Termine werden abgesagt, Antworten werden kürzer, Entscheider kommen nicht mehr zu Gesprächen.

Viele Teams fassen solche Signale in einem Gesundheitswert pro Kunde zusammen. Das hilft beim Überblick – ersetzt aber nicht, genau hinzuhören, was im letzten Gespräch gesagt wurde.

Churn senken: wo der Hebel liegt

Der wirksamste Hebel liegt fast immer vor der Kündigung: ein Start, der zum ersten Erfolg führt, regelmäßige Gespräche wie das Quarterly Business Review und Zusagen, die eingehalten werden. Das Gegenstück zum Churn ist die Kundenbindung – beide Seiten derselben Medaille.

Kündigt ein Kunde dennoch, lohnt sich ein ehrliches Gespräch über die Gründe, ohne sofort Rabatte anzubieten. Eine Struktur dafür liefert die Vorlage Gespräch mit kündigungswilligem Kunden. Die genannten Gründe gehören gesammelt und regelmäßig ausgewertet – nur so wird aus einzelnen Verlusten eine Erkenntnis.

Beispiel
Churn-Rechnung einer Agentur

Studio Berger hat am 1. Jänner 40 Betreuungsverträge mit zusammen 24.000 € monatlichem Umsatz. Bis 30. Juni kündigen vier Kunden (zusammen 3.000 €), 2 reduzieren ihr Paket (zusammen − 500 €), 3 stocken auf (zusammen + 1.500 €).

Kunden-Churn im Halbjahr: 4 ÷ 40 = 10 %. Umsatz-Churn brutto: (3.000 + 500) ÷ 24.000 ≈ 14,6 %. Net Revenue Retention: (24.000 + 1.500 − 500 − 3.000) ÷ 24.000 ≈ 91,7 %.

Bei der Durchsicht der Gesprächsnotizen fällt auf: Bei drei der vier Kündigungen hatte im Herbst die Ansprechperson gewechselt, ohne dass es ein Kennenlerngespräch mit der neuen Person gab.

Dieser Eintrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Beratung.

Häufige Fragen
Wie berechnet man die Churn Rate?

Verlorene Kunden im Zeitraum geteilt durch die Kunden zu Beginn des Zeitraums. Wer 200 Kunden hat und im Quartal 6 verliert, hat eine Churn Rate von 3 % pro Quartal.

Was ist eine gute Churn Rate?

Dafür gibt es keinen allgemeingültigen Wert – er hängt stark von Branche, Kundengröße und Vertragsmodell ab. Aussagekräftiger ist der Vergleich mit den eigenen Vorperioden und zwischen Kundengruppen.

Was ist der Unterschied zwischen Churn und Retention?

Retention misst den Anteil, der bleibt, Churn den Anteil, der geht. Bei gleicher Basis ergänzen sich Kunden-Retention und Kunden-Churn auf 100 %.

Was bedeutet negativer Churn?

Dass Erweiterungen bei bestehenden Kunden mehr Umsatz bringen, als durch Kündigungen und Herabstufungen verloren geht. Die Net Revenue Retention liegt dann über 100 %.

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