Wozu der Parkplatz dient
In fast jeder Besprechung kommt irgendwann ein Gedanke auf, der wichtig ist, aber nicht hierher gehört: „Apropos Kundenportal – das Passwort-Zurücksetzen funktioniert auch nicht richtig.“ Die Moderation steht dann vor einem Dilemma. Lässt sie das Thema laufen, verliert die Runde den Faden. Würgt sie es ab, fühlt sich die Person übergangen – und das Thema ist womöglich weg.
Der Parkplatz löst das. Das Thema wird in ein paar Worten auf ein eigenes Flipchart, eine Pinnwand-Ecke oder einen Bereich im digitalen Whiteboard geschrieben, und das Gespräch geht weiter. Die Botschaft an die Person: Dein Punkt ist angekommen und wird behandelt – nur nicht jetzt.
So funktioniert die Methode
Damit der Parkplatz nicht zum Friedhof für unbequeme Themen wird, braucht es klare Regeln:
- Gleich zu Beginn einführen: Die Moderation zeigt den Parkplatz und erklärt, wofür er da ist.
- Knapp, aber verständlich notieren: „Passwort-Reset im Kundenportal fehlerhaft (Huber)“ statt nur „Portal“.
- Wer parkt, fragt nach: Die Person, die das Thema eingebracht hat, bestätigt, dass es richtig erfasst ist.
- Vor Schluss auflösen: Zehn Minuten vor Ende geht die Moderation jeden Punkt durch.
Der Parkplatz hilft auch in heiklen Momenten. Bringt jemand ein Thema zum dritten Mal auf, weil es ihn sichtlich beschäftigt, ist „Das parken wir und klären es heute noch“ ein Angebot, kein Abwimmeln. Umgekehrt sollte die Moderation nicht jedes unbequeme Argument zum aktuellen Thema auf den Parkplatz schieben: Was zur laufenden Frage gehört, wird jetzt besprochen.
Den Parkplatz auflösen
Entscheidend ist der Abschluss. Für jeden geparkten Punkt gibt es im Grunde vier Möglichkeiten: Er lässt sich jetzt in zwei Minuten klären; er wird ein Action Item mit Namen und Termin; er kommt als Tagesordnungspunkt auf die nächste Sitzung; oder die Gruppe stellt fest, dass er sich erledigt hat, und streicht ihn bewusst.
Was nicht passieren sollte: Die Liste wird abfotografiert und vergessen. Dann lernen die Teilnehmenden schnell, dass „Parken“ in Wahrheit „Abservieren“ bedeutet – und sagen beim nächsten Mal lieber gleich nichts.
Parkplatz, Offene-Punkte-Liste und Vertagung
Der Parkplatz lebt nur für die Dauer eines Meetings oder Workshops. Was danach noch offen ist, wandert in die Offene-Punkte-Liste, die über Wochen gepflegt wird und Status, Verantwortliche und Termine enthält.
Eine Vertagung betrifft dagegen einen Punkt, der auf der Tagesordnung steht, aber nicht abgeschlossen werden kann. Auf dem Parkplatz landen Themen, die gar nicht auf der Tagesordnung standen. In formalen Gremien ist das wichtig: Über geparkte Themen wird dort nicht spontan beschlossen.
Workshop „Neues Bestellformular“, 90 Minuten, digitales Whiteboard. Rechts oben ein Feld „Parkplatz“.
Während der Diskussion geparkt: 1. Passwort-Reset im Kundenportal fehlerhaft (Huber) · 2. Sollen Großkunden eigene Preise sehen? (Berger) · 3. Schulung für den Innendienst (Leitner)
Auflösung um 10:20 Uhr: Punkt 1 wird Action Item – Huber meldet den Fehler bis heute Abend an die IT. Punkt 2 kommt auf die Tagesordnung des Vertriebsmeetings am 6. Juni. Punkt 3 hat sich erledigt, die Schulung ist schon geplant.
Dieser Eintrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Beratung.