„Alle Mann an Deck“
Der Ausdruck kommt aus der Seefahrt: „All hands on deck“ war der Befehl, dass die ganze Besatzung an Deck gebraucht wird. Im Unternehmen bedeutet All-Hands entsprechend, dass ausnahmsweise wirklich alle zusammenkommen – nicht nur ein Team oder die Führungsebene.
Üblich ist ein fester Rhythmus, etwa monatlich oder einmal im Quartal, dazu Sondertermine bei großen Ereignissen wie einer Übernahme, einem Standortwechsel oder einer neuen Strategie. In kleineren Firmen dauert ein All-Hands 30 bis 60 Minuten; größere Organisationen übertragen es per Livestream oder Videokonferenz an alle Standorte.
Typischer Ablauf
Die meisten All-Hands folgen einem ähnlichen Muster:
- Lage des Unternehmens: Kennzahlen, Auftragslage, Fortschritt bei den Jahreszielen
- Neuigkeiten: neue Kund:innen, Produkte, Personalien, Veränderungen in der Organisation
- Einblick in ein Team: ein Bereich stellt kurz vor, woran er gerade arbeitet
- Anerkennung: Erfolge, Jubiläen, besondere Leistungen
- Fragen: ein Block, in dem alle nachfragen können – oft auch vorab oder anonym gesammelt
Der Schwerpunkt liegt auf Information von oben nach unten. Ein All-Hands ist kein Ort, um Detailfragen einzelner Projekte zu klären; dafür sind Team- und Abteilungsbesprechungen da.
Damit die Inhalte auch Kolleg:innen erreichen, die im Urlaub, im Außendienst oder in einer anderen Schicht waren, verschicken viele Unternehmen danach die Folien und eine kurze schriftliche Zusammenfassung. Das ist auch eine gute Gelegenheit, Fragen schriftlich zu beantworten, für die im Termin keine Zeit mehr war.
All-Hands und Town Hall
Beide Begriffe werden oft gleichbedeutend verwendet. Wo man sie unterscheidet, liegt der Unterschied im Gewicht: Beim All-Hands steht der Bericht der Leitung im Vordergrund, die Fragerunde ist ein Teil davon. Beim Town-Hall-Meeting ist der offene Austausch mit der Führung der eigentliche Zweck – häufig zu einem bestimmten Thema oder in Zeiten großer Veränderungen.
Wer ein Format einführt, sollte sich daher weniger um den Namen als um die Erwartung kümmern: Sollen die Mitarbeitenden vor allem informiert werden oder sollen sie mitreden können?
Kein Ersatz für die Betriebsversammlung
Ein All-Hands lädt die Unternehmensleitung ein und gestaltet es nach eigenen Vorstellungen. Die Betriebsversammlung ist dagegen eine Einrichtung der Arbeitnehmervertretung mit gesetzlicher Grundlage. In Deutschland hat der Betriebsrat einmal in jedem Kalendervierteljahr eine Betriebsversammlung einzuberufen und dort einen Tätigkeitsbericht zu erstatten (§ 43 BetrVG). In Österreich muss die Betriebsversammlung mindestens einmal in jedem Kalenderhalbjahr stattfinden (§ 43 ArbVG).
Beide Formate können nebeneinander bestehen. Wichtig ist nur, sie nicht zu vermischen: Ein All-Hands erfüllt nicht die Aufgaben einer Betriebsversammlung, und umgekehrt bestimmt bei der Betriebsversammlung nicht die Geschäftsführung die Tagesordnung.
Donnerstag, 16:00–16:45 Uhr, Kantine und Videoübertragung für das Büro in Graz.
Geschäftsführerin Julia Leitner zeigt die Quartalszahlen und den Stand der drei Jahresziele. Das Supportteam stellt in fünf Minuten das neue Ticketsystem vor. Zwei Kolleg:innen feiern ihr zehnjähriges Firmenjubiläum.
Im Fragenblock werden die sieben vorab gesammelten Fragen beantwortet, unter anderem zur geplanten Homeoffice-Regelung. Die Folien und eine kurze Zusammenfassung gehen am selben Abend an alle, auch an die, die im Urlaub waren.
Dieser Eintrag gibt einen allgemeinen Überblick und ersetzt keine Rechtsberatung.