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Kritikgespräch: Vorlage, die klar ist und fair bleibt.

Ein Kritikgespräch soll etwas ändern, nicht jemanden vorführen. Die Vorlage trennt sauber zwischen dem, was passiert ist, der Sicht der Mitarbeiterin oder des Mitarbeiters und dem, was ab jetzt gilt – mit einem Termin, an dem ihr gemeinsam nachseht.

Kritikgespräch
KRITIKGESPRÄCH

RAHMENDATEN
Mitarbeiter:in: …
Funktion / Team: …
Führungskraft: …
Weitere Teilnehmende (z. B. Betriebsrat auf Wunsch, HR): …
Datum / Ort: …
Frühere Gespräche zum selben Thema: … (Datum)

ANLASS – KONKRETE VORFÄLLE
1. Datum: … – was passiert ist: …
2. Datum: … – was passiert ist: …
Wirkung (Kund:innen, Team, Betrieb): …
Bisherige Vereinbarung oder Regel: …

SICHT DER MITARBEITERIN / DES MITARBEITERS
Stellungnahme, in eigenen Worten: …
Gründe, Hindernisse, Umstände: …

ERWARTUNG AB JETZT
Was konkret anders sein soll: …
Woran beide das erkennen: …

UNTERSTÜTZUNG
Was die Führungskraft / das Unternehmen beiträgt: …

VEREINBARUNGEN
[ ] Maßnahme – wer – bis wann
[ ] Maßnahme – wer – bis wann
Folgegespräch am: …

ABSCHLUSS
Notiz erhalten – Mitarbeiter:in: … / Führungskraft: …
Eigene Anmerkungen der Mitarbeiterin / des Mitarbeiters (werden beigelegt): …
Hinweis: Dieses Gespräch ist keine Abmahnung bzw. Verwarnung.
Wann du sie brauchst
  • Ein Problem wiederholt sich, obwohl es schon einmal informell angesprochen wurde
  • Eine Vereinbarung oder interne Regel wurde nicht eingehalten
  • Beschwerden von Kund:innen oder Kolleg:innen zu einem konkreten Verhalten
  • Leistung liegt über einen längeren Zeitraum deutlich unter dem Vereinbarten
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Ausgefülltes Beispiel

Drei Vorfälle, eine klare Erwartung.

Erfundenes Beispiel aus einer Kfz-Werkstatt. Es geht um Reparaturen ohne vorherige Freigabe durch die Kund:innen. Im Protokoll stehen Daten und Fakten, keine Eigenschaften der Person.

Kritikgespräch · Florian Wagner, Serviceannahme
Rahmendaten

Autohaus Steiner · Führungskraft: Gerhard Steiner · auf Wunsch von Florian Wagner dabei: Betriebsrätin Anita Moser · 9. Oktober, Besprechungsraum

Früheres Gespräch: 12. August (informell, Thema Kostenvoranschläge)

Anlass

16. September: Bremsscheiben getauscht, Freigabe der Kundin erst nachträglich eingeholt.

24. September: Zahnriemen-Service ohne Kostenvoranschlag, Rechnung 380 € über der Schätzung.

2. Oktober: Kunde Huber hat die Rechnung beanstandet, Gutschrift 150 €.

Regel seit Jänner: Arbeiten über 200 € nur nach Freigabe per Telefon oder SMS, Vermerk im Auftrag.

Sicht von Florian Wagner

Morgens laufen bis zu 30 Anrufe auf seinem Telefon auf, Rückrufe gehen unter.

Bei zwei Aufträgen hat die Werkstatt schon angefangen, bevor er die Freigabe hatte.

Erwartung

Ab sofort keine Arbeit über 200 € ohne dokumentierte Freigabe im Auftrag.

Unterstützung

Telefon ab 7:30 bis 9:00 zusätzlich durch Lehrling Elias besetzt.

Werkstatt beginnt erst mit Arbeiten über 200 €, wenn der Auftrag den Vermerk „freigegeben“ trägt.

Vereinbarungen

Gerhard Steiner informiert die Werkstatt über die neue Reihenfolge – bis 10. Oktober.

Florian Wagner vermerkt jede Freigabe mit Uhrzeit im Auftrag – ab sofort.

Folgegespräch: 6. November, gemeinsame Durchsicht der Aufträge seit heute.

Anmerkungen

Florian Wagner: Die Vorfälle stimmen, er sieht die Ursache aber auch im Ablauf mit der Werkstatt.

Tipps

Klar in der Sache, respektvoll im Ton.

Unter vier Augen und zeitnahKritik gehört nicht ins Teammeeting und nicht zwischen Tür und Angel. Lade mit einem Tag Vorlauf ein und nenne das Thema – überrumpeln führt zu Abwehr.
Vorfälle mit DatumSammle vorher zwei, drei konkrete Fälle mit Datum und Wirkung. Mit „immer“ und „ständig“ kommst du in eine Diskussion über Häufigkeit statt über eine Lösung.
Die andere Sicht hineinschreibenHalte die Stellungnahme in den Worten der Person fest – auch wenn du sie nicht teilst. Oft zeigt sich dabei ein Ablaufproblem, das du als Führungskraft lösen musst.
Betriebsrat ermöglichenIn Deutschland kann die Arbeitnehmerin bei der Erörterung ihrer Leistungsbeurteilung ein Betriebsratsmitglied hinzuziehen (§ 82 Abs. 2 BetrVG). In Österreich ist das in vielen Betrieben ebenfalls üblich. Biete es aktiv an.
Kein verstecktes DisziplinarverfahrenEin Kritikgespräch ist keine Abmahnung (DE) bzw. Verwarnung (AT). Wenn du arbeitsrechtliche Folgen androhen willst, ist das ein eigener Schritt – bewusst, schriftlich und nach Rücksprache mit HR oder Rechtsberatung.
Kein MitschnittIn einem Gespräch mit so viel Gefälle ist ein „Ja“ zur Aufnahme selten wirklich frei. Schreib mit, lies die Vereinbarungen am Ende laut vor und schick die Notiz zeitnah zum Gegenlesen.
Typische Fehler
  • Vorwürfe ohne Datum und ohne konkretes Beispiel
  • Etiketten wie „schlampig“ oder „desinteressiert“ im Protokoll
  • Die Stellungnahme der Mitarbeiterin fehlt oder ist verkürzt
  • Kein Folgetermin – niemand prüft, ob sich etwas geändert hat
  • Mit Kündigung gedroht, ohne dass das vorbereitet und geprüft ist

Die Hinweise auf dieser Seite geben einen allgemeinen Überblick und ersetzen keine Rechtsberatung. Was für dich gilt, regeln Gesetz, Statuten bzw. Satzung oder Vertrag im Einzelfall.

Häufige Fragen
Ist ein Kritikgespräch eine Abmahnung?

Nein. Eine Abmahnung (DE) bzw. Verwarnung (AT) ist ein eigener, meist schriftlicher Schritt, der deutlich macht, dass bei Wiederholung arbeitsrechtliche Folgen drohen. Das Kritikgespräch soll vorher eine Änderung erreichen. Das ist keine Rechtsberatung.

Muss die Mitarbeiterin das Protokoll unterschreiben?

In der Regel besteht keine Pflicht. Üblich ist eine Bestätigung des Erhalts, nicht des Inhalts. Was die Mitarbeiterin anders sieht, wird als eigene Anmerkung beigelegt; in Deutschland kann sie eine Erklärung zur Personalakte verlangen (§ 83 BetrVG).

Wie beginne ich ein Kritikgespräch?

Ohne Umweg: Nenne das Thema im ersten oder zweiten Satz und den ersten konkreten Vorfall. Lange Einleitungen erhöhen nur die Anspannung. Mehr dazu im Ratgeber Kritikgespräch führen.

Was, wenn sich nach dem Gespräch nichts ändert?

Dann zeigt das Folgegespräch, was nicht funktioniert hat – und ob weitere Schritte nötig sind. Gerade dann ist eine sachliche Notiz mit Daten wichtig, weil jemand Dritter sie später verstehen muss.

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