- Recherche heißt: Anlass, Situation und Person verstehen – nicht die Firmengeschichte auswendig lernen.
- Leg ein Mindestziel und ein Wunschziel fest, beide als konkretes Ergebnis.
- Formuliere zwei bis drei Vermutungen über das Problem und prüfe sie mit Fragen.
- Überleg dir die zwei wahrscheinlichsten Einwände und deine Antwort.
- Alles auf einem Vorbereitungsblatt – das liest du fünf Minuten vor dem Termin noch einmal.
Wie viel Vorbereitung ein Gespräch braucht
Die Vorbereitung richtet sich nach dem, was auf dem Spiel steht. Für einen ersten Termin mit einem Neukunden, bei dem es um einen größeren Auftrag geht, sind 30 bis 60 Minuten gut investiert. Für einen Folgetermin mit einem bekannten Kunden reicht oft eine kurze Routine – die beschreibt der Ratgeber Kundentermin vorbereiten in 10 Minuten.
Wichtiger als die Dauer ist, dass am Ende ein Ergebnis steht: Du weißt, was du im Gespräch erreichen willst, welche Fragen du stellst und wie du auf die naheliegenden Bedenken reagierst. Vorbereitung, die nur aus dem Durchklicken der Kundenwebsite besteht, fühlt sich gründlich an, hilft im Gespräch aber wenig.
Schritt 1: Recherche mit Ziel
Recherchiere nicht alles, sondern das, was dir im Gespräch hilft. Drei Fragen leiten die Suche: Warum findet das Gespräch jetzt statt? Wie ist die Situation des Unternehmens? Wer sitzt mir gegenüber?
| Quelle | Wonach du suchst | Wozu |
|---|---|---|
| Eigene Notizen, CRM, Mails | Frühere Kontakte, Anfrage im Wortlaut, wer den Kontakt hergestellt hat | Anknüpfen statt neu anfangen |
| Website des Kunden | Angebot, Standorte, Größe, offene Stellen, aktuelle Meldungen | Situation und mögliche Auslöser verstehen |
| Firmenbuch (AT) oder Handelsregister (DE) | Rechtsform, Geschäftsführung, Gesellschafter | Wer entscheidet formal |
| Berufliches Profil der Gesprächspartnerin | Rolle, seit wann im Unternehmen, frühere Stationen | Gesprächseinstieg, Perspektive |
| Regionale Presse, Branchenmedien | Expansion, Umbau, neue Produkte | Gesprächsanlass, Dringlichkeit |
Notiere nur, was du im Gespräch verwenden willst, in zwei, drei Stichpunkten. Und achte darauf, wie du Recherchiertes einbringst: „Ich habe gesehen, dass Sie eine sechste Filiale eröffnen – hat das mit unserem Termin zu tun?“ wirkt interessiert. Eine Aufzählung aller Fundstücke wirkt eher unheimlich.
Schritt 2: Mindestziel und Wunschziel festlegen
„Den Kunden kennenlernen“ ist kein Ziel, sondern eine Beschreibung des Termins. Ein Ziel ist ein Ergebnis, das am Ende des Gesprächs entweder erreicht ist oder nicht. Leg zwei fest:
- Mindestziel: das, was mindestens herauskommen muss, damit sich der Termin gelohnt hat. Beispiel: „Ich weiß, wer neben der Geschäftsführerin mitentscheidet, und wir haben einen Folgetermin mit beiden.“
- Wunschziel: das Beste, was realistisch erreichbar ist. Beispiel: „Frau Wagner gibt grünes Licht für ein Angebot mit zwei Varianten bis Ende des Monats.“
Dazu gehört eine Liste dessen, was du nach dem Gespräch wissen musst: Problem und Auslöser, Zeitrahmen, Budgetrahmen, Entscheidungsweg, Alternativen. Was davon schon bekannt ist, streichst du. Der Rest bestimmt deine Fragen.
Schritt 3: Vermutungen in Fragen übersetzen
Aus der Recherche entstehen Vermutungen: „Mit der sechsten Filiale wird die Bestellannahme per Telefon zu viel.“ Solche Vermutungen sind wertvoll, solange du sie als Vermutung behandelst. Formuliere zwei bis drei und übersetze jede in eine offene Frage, die sie bestätigt oder widerlegt:
- Vermutung: Telefonische Vorbestellungen überlasten die Filialen. → „Wie kommen Vorbestellungen heute zu Ihnen, und wer nimmt sie an?“
- Vermutung: Die neue Filiale ist der Auslöser. → „Was hat sich mit der neuen Filiale an Ihren Abläufen verändert?“
- Vermutung: Die Website wurde lange nicht angefasst. → „Wer kümmert sich heute um die Website, und wie oft wird sie geändert?“
Der Vorteil: Du gehst mit einer Idee ins Gespräch, ohne sie dem Kunden überzustülpen. Liegt die Vermutung daneben, merkst du es an der Antwort – und hast trotzdem etwas gelernt. Weitere Fragen nach Gesprächsphase findest du unter Fragen für den Discovery Call.
Schritt 4: Einwände durchdenken
Die meisten Einwände lassen sich vorhersagen. Bei einem Familienbetrieb mit knapper Zeit sind es oft Aufwand und Preis, bei einem Konzern eher Abstimmungswege und Sicherheit. Schreib die zwei wahrscheinlichsten Einwände auf und daneben, was du nachfragen und wie du antworten würdest. „Zu teuer“ → „Womit vergleichen Sie?“ und ein Hinweis auf die Möglichkeit, mit einem kleineren Umfang zu starten.
Bei sehr naheliegenden Bedenken überlege, ob du sie selbst ansprichst, bevor sie kommen. Das Vorgehen im Gespräch beschreibt der Ratgeber Einwandbehandlung.
Schritt 5 und 6: Agenda abstimmen, Unterlagen bereitlegen
Schick ein, zwei Tage vorher eine kurze Agenda – drei Punkte reichen. Das zeigt Vorbereitung, gibt dem Kunden die Möglichkeit, eigene Themen zu ergänzen, und klärt, wer teilnimmt: „Ich würde gern zuerst verstehen, wie Vorbestellungen heute laufen, dann kurz zeigen, wie wir das bei ähnlichen Betrieben gelöst haben, und am Ende die nächsten Schritte besprechen. Gibt es etwas, das Sie unbedingt ansprechen möchten?“
Kommst du zu zweit, klär die Rollen vorher: Wer führt das Gespräch, wer schreibt mit, wer beantwortet technische Fragen? Nichts wirkt unvorbereiteter als zwei Verkäufer, die sich gegenseitig ins Wort fallen.
Bereitlegen solltest du nur, was du wahrscheinlich brauchst:
- ein passendes Beispiel aus einem ähnlichen Projekt, ohne vertrauliche Details
- einen Preisrahmen, den du nennen kannst, wenn danach gefragt wird
- bei Online-Terminen: Link, Kamera und Mikrofon getestet, Bildschirm aufgeräumt, nicht benötigte Programme geschlossen
- deinen Kalender für die nächsten zwei Wochen, um den Folgetermin direkt einzutragen
Beispiel: das Vorbereitungsblatt auf einer Seite
Alle sechs Schritte zusammen ergeben ein Blatt, das du kurz vor dem Termin noch einmal liest. So sieht es für das Gespräch von Studio Berger, einer kleinen Webagentur, mit der Bäckerei Wagner aus:
- Termin: Do., 16. 10., 9:00, vor Ort in der Zentrale, 60 Min. · Frau Wagner (Geschäftsführung), evtl. Herr Wagner jun.
- Anlass: Anfrage über das Kontaktformular: „Wir brauchen eine neue Website mit Vorbestellung.“
- Recherche: sechste Filiale eröffnet im November; Website zuletzt vor Jahren überarbeitet; Vorbestellung bisher nur telefonisch.
- Mindestziel: Entscheidungsweg bekannt, Folgetermin mit beiden Wagners.
- Wunschziel: Freigabe für ein Angebot mit zwei Varianten bis 31. 10.
- Vermutungen und Fragen: Telefonbestellungen überlasten Filialen → „Wie kommen Vorbestellungen heute zu Ihnen?“; Filiale als Auslöser → „Was ändert sich mit der neuen Filiale?“
- Wahrscheinliche Einwände: Aufwand für die Pflege („Wer soll das machen?“), Preis.
- Mitnehmen: Beispiel Fleischerei Gruber (Vorbestellung online), Preisrahmen für beide Varianten, Kalender.
Nach dem Gespräch schließt sich der Kreis: Du vergleichst das Ergebnis mit Mindest- und Wunschziel und hältst fest, was du erfahren hast. Wie das in wenigen Minuten geht, steht unter Verkaufsgespräch nachbereiten. Einen Leitfaden mit Platz für die Antworten im Gespräch bietet die Vorlage Verkaufsgespräch.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Beratung. Stand der Angaben: 8. Oktober 2026.