Woher der Begriff kommt
Der Name ist wörtlich gemeint. Auf einem Kinofilmstreifen lief der Ton als schmale Spur neben den Bildern mit, bei Tonbändern lagen mehrere Spuren nebeneinander auf dem Band. Eine Spur war ein physischer Streifen, auf dem ein Signal aufgezeichnet wurde.
Digital ist davon die Idee geblieben: eine Spur ist ein Strang von Audiodaten, der zeitlich parallel zu anderen Spuren läuft und für sich angesprochen werden kann.
Spur und Kanal: nicht dasselbe
Eine Tonspur kann selbst mehrere Kanäle haben. Eine Stereospur hat zwei Kanäle (links, rechts), eine Surround-Spur im Format 5.1 hat sechs. Die Spur ist die Einheit, die du als Ganzes auswählst, ein- oder ausschaltest; die Kanäle sind ihre Bestandteile für die Lautsprecher.
Im Alltag werden die Begriffe trotzdem oft vermischt. Wenn jemand sagt „das Mikrofon liegt auf Kanal 1“, meint er häufig eine eigene Spur. Für das Verständnis zählt die Frage: Kann ich die Quelle getrennt bearbeiten? Dann liegt sie praktisch auf einer eigenen Spur – siehe Mehrspuraufnahme.
Mehrere Tonspuren in einer Videodatei
Moderne Videodateien sind Container, die Bild, Ton und Untertitel als getrennte Spuren bündeln. Typische Gründe für mehrere Tonspuren:
- Sprachfassungen: Original und Synchronfassung in einer Datei, im Player umschaltbar
- Audiodeskription: eine Fassung mit gesprochener Bildbeschreibung für blinde und sehbehinderte Menschen
- Kommentarspur: etwa die Regie, die über den Film spricht
- Produktionsspuren: bei Kameradateien oft getrennt das Kameramikrofon und ein angestecktes Funkmikrofon
Welche Spuren eine Datei hat, zeigt der Player meist im Menü „Audio“ oder „Tonspur“. Untertitel liegen übrigens ebenfalls als eigene Spur oder als separate SRT-Datei vor.
Tonspuren im Schnitt und bei der Transkription
Im Schnittprogramm liegen Tonspuren übereinander in der Zeitleiste: Dialog, Musik, Atmo, Effekte. So kann die Musik leiser werden, wenn jemand spricht, ohne die Stimme anzutasten.
Für eine Transkription braucht man oft nur die Tonspur eines Videos. Viele Schnitt- und Konvertierprogramme können sie als Audiodatei exportieren, etwa als WAV oder MP3. Das spart Speicher und Upload-Zeit. Wichtig dabei: Enthält das Video mehrere Tonspuren, musst du die richtige erwischen – sonst transkribierst du womöglich die Musik statt des Interviews oder nur ein Mikrofon von zweien.
Tonspuren bei Gesprächsaufnahmen
Auch bei Interviews und Online-Calls entscheidet die Spuraufteilung darüber, wie gut sich das Material später auswerten lässt. Liegen alle Stimmen auf einer Spur, muss die Software anhand des Klangs erraten, wer spricht. Liegt jede Seite auf einer eigenen Spur, ist die Zuordnung von vornherein klar, und eine leise Stimme lässt sich anheben, ohne die laute mit zu verstärken.
Beim Zusammenführen für das Anhören werden solche Spuren dann gemischt. Für die Transkription ist es dagegen besser, sie getrennt zu lassen, solange es geht.
Spur 1: Ansteckmikrofon von Bürgermeisterin Eder (Mono)
Spur 2: Ansteckmikrofon des Reporters (Mono)
Spur 3: Kameramikrofon mit Raumklang (Stereo)
Für das Transkript werden Spur 1 und 2 verwendet – getrennt aufgenommen, ist die Zuordnung von Frage und Antwort eindeutig. Spur 3 dient nur als Atmo im Schnitt.
Dieser Eintrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Beratung.