Wie MP3 Dateien klein macht
MP3 wurde maßgeblich am Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen in Erlangen entwickelt und Anfang der 1990er-Jahre als Teil des MPEG-Standards festgelegt. Der Kern ist ein psychoakustisches Modell: eine Beschreibung dessen, was Menschen tatsächlich hören.
Ein Beispiel ist die Verdeckung. Ein lauter Ton überdeckt leisere Töne mit ähnlicher Frequenz, die gleichzeitig oder kurz danach erklingen. MP3 speichert solche Anteile ungenauer oder gar nicht. Das Ergebnis wird anschließend platzsparend codiert. Was dabei weggefallen ist, lässt sich nicht wiederherstellen – deshalb „verlustbehaftet“.
Die wesentlichen Patente sind inzwischen abgelaufen. MP3 kann heute frei verwendet werden und wird von praktisch jedem Gerät abgespielt.
Die Bitrate entscheidet über Größe und Klang
Wie viel weggelassen wird, steuert die Bitrate – die Datenmenge pro Sekunde in kbit/s. MP3 erlaubt Werte von 32 bis 320 kbit/s, entweder konstant (CBR) oder schwankend je nach Komplexität der Stelle (VBR). Eine Stunde mit 64 kbit/s belegt rund 29 MB, mit 128 kbit/s rund 58 MB, mit 320 kbit/s rund 144 MB. Bei CBR lässt sich die Dateigröße genau vorhersagen, bei VBR fällt sie je nach Inhalt kleiner oder größer aus – bei gleicher Qualität meist etwas kleiner.
Sprache braucht deutlich weniger als Musik: Die Stimme nutzt einen schmaleren Frequenzbereich, und für ein Gespräch genügt ein Kanal. Für reine Sprachaufnahmen ist Mono mit 64 kbit/s ein verbreiteter Kompromiss. Wird die Bitrate sehr niedrig, entstehen hörbare Artefakte – zischelnde S-Laute, ein blubbernder, metallischer Klang. Genau diese Stellen machen auch der Spracherkennung zu schaffen, etwa bei Namen und Zahlen.
Warum man MP3 nicht mehrfach speichert
Jedes erneute Komprimieren wirft wieder Information weg, auch wenn die Datei vorher schon eine MP3 war. Wer eine MP3 schneidet, als MP3 speichert und das ein paar Mal wiederholt, hört die Verluste irgendwann deutlich. Man spricht von Generationsverlust.
Der saubere Weg: unkomprimiert aufnehmen und bearbeiten, etwa als WAV, und erst ganz am Ende eine MP3 erzeugen. Umgekehrt bringt es nichts, eine MP3 in WAV umzuwandeln – die Datei wird größer, aber nicht besser.
Dasselbe gilt für Aufnahmen, die schon komprimiert ankommen: Smartphones, Messenger und Videocall-Programme verkleinern Sprache bereits beim Aufnehmen oder Übertragen. Wer eine solche Datei erneut als MP3 speichert, stapelt zwei verlustbehaftete Verfahren. Besser ist es, die Datei im Originalformat weiterzugeben, wenn das Zielprogramm sie annimmt.
MP3 und die anderen Formate
MP3 ist das bekannteste, aber nicht mehr das effizienteste Format. Ein Überblick über das, was heute daneben verwendet wird:
| Format | Kompression | Typischer Einsatz |
|---|---|---|
| MP3 | verlustbehaftet | Podcasts, Diktiergeräte, universelle Weitergabe |
| AAC (.m4a) | verlustbehaftet, bei gleicher Bitrate meist effizienter | Smartphone-Sprachmemos, Streaming |
| Opus | verlustbehaftet, auf Sprache und Echtzeit ausgelegt | Videocalls, Browser-Aufnahmen |
| FLAC | verlustfrei komprimiert | Archiv, Musik |
| WAV | meist unkomprimiert | Aufnahme, Schnitt, Master |
Mehr zu den Unterschieden zwischen Dateiformat und Komprimierungsverfahren erklären die Einträge Audioformat, Audio-Codec und Opus.
Sachbearbeiter Gruber nimmt Kundengespräche mit einem Diktiergerät auf, das im Langzeitmodus MP3 mit 32 kbit/s speichert. Die Dateien sind winzig, aber im Transkript sind Namen und Beträge oft falsch – S- und F-Laute klingen verwaschen.
Er stellt auf die nächsthöhere Qualitätsstufe um. Die Dateien werden größer, passen aber immer noch problemlos auf die Speicherkarte, und die Zahl der Fehler im Transkript sinkt spürbar.
Dieser Eintrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Beratung.