Aufbau: vier Zahlenpaare
Der verbreitete Standard geht auf die SMPTE zurück, die Society of Motion Picture and Television Engineers. Ein Timecode wie 01:12:40:18 bedeutet: 1 Stunde, 12 Minuten, 40 Sekunden und Bild Nummer 18 innerhalb dieser Sekunde. Das letzte Feld zählt also nicht Hundertstelsekunden, sondern Einzelbilder (Frames). Das ist die häufigste Verwechslung für alle, die nicht aus der Videoproduktion kommen.
Wie weit dieses letzte Feld läuft, hängt von der Bildrate ab. Bei 25 Bildern pro Sekunde, dem in Europa üblichen Fernsehstandard, geht es von 00 bis 24, dann springt die Sekunde weiter. Bei 24 Bildern pro Sekunde – klassisch im Kino – von 00 bis 23.
Drop Frame: der Sonderfall aus Nordamerika
Das nordamerikanische Farbfernsehen läuft nicht mit genau 30, sondern mit rund 29,97 Bildern pro Sekunde. Würde man einfach 30 Bilder pro Sekunde zählen, liefe der Timecode gegenüber der echten Uhrzeit langsam davon – nach einer Stunde um mehrere Sekunden.
Die Lösung heißt Drop Frame: Zu Beginn jeder Minute werden die Bildnummern 00 und 01 übersprungen, außer bei jeder zehnten Minute. Es fallen keine Bilder weg, nur Nummern. Erkennbar ist Drop-Frame-Timecode meist am Strichpunkt vor dem letzten Feld, also 01:12:40;18. Im europäischen 25-Bilder-Umfeld begegnet dir das selten, bei Material aus den USA oder von manchen Kameras aber schon. Wer Material mit unterschiedlichen Bildraten mischt, sollte die Projekteinstellungen vor dem Schnitt prüfen – nachträgliche Umrechnungen sind fehleranfällig.
Wofür man Timecode braucht
In der Produktion ist Timecode das gemeinsame Koordinatensystem aller Beteiligten:
- Schnitt: Ein Cutter notiert „Szene ab 00:04:12:10 bis 00:04:19:03“ – bildgenau, ohne Missverständnis.
- Synchronisation: Kamera und separates Tonaufnahmegerät laufen mit demselben Timecode, damit Bild und Ton später automatisch zusammenpassen.
- Mehrkameraproduktionen: Alle Kameras teilen eine gemeinsame Zeitbasis, das spart beim Schnitt das mühsame Anlegen.
- Untertitel und Abnahmen: Kommentare zu einer Fassung („bei 00:12:03:05 ist das Logo falsch“) lassen sich eindeutig zuordnen.
Damit das funktioniert, müssen die Geräte denselben Timecode führen. Üblich ist, alle Geräte vor Drehbeginn von einem zentralen Timecode-Generator zu stellen und regelmäßig nachzugleichen, weil die internen Uhren sonst langsam auseinanderlaufen. Alternativ wird Timecode als Audiosignal auf eine eigene Spur aufgezeichnet. Wo das fehlt, synchronisieren Schnittprogramme Bild und Ton nachträglich anhand der Tonwellenform oder einer Klappe.
Timecode, Zeitstempel und Untertitelzeiten
Alle drei sind Zeitangaben, aber mit unterschiedlicher Auflösung und unterschiedlichem Zweck:
| Timecode | Zeitstempel im Transkript | Zeit in SRT-Untertiteln | |
|---|---|---|---|
| Format | 01:12:40:18 | 01:12:40 | 01:12:40,720 |
| Kleinste Einheit | ein Videobild | Sekunde | Millisekunde |
| Abhängig von Bildrate | ja | nein | nein |
| Typischer Einsatz | Schnitt, Synchronisation | Nachhören, Zitieren | Einblenden von Untertiteln |
Für Interviews und Meetings genügt ein einfacher Zeitstempel. Timecode wird erst dann wichtig, wenn Transkripte oder Untertitel bildgenau zu einem geschnittenen Video passen müssen. Untertiteldateien wie die SRT-Datei rechnen deshalb in Millisekunden – unabhängig von der Bildrate.
Clip 07 · Interview Berger: IN 00:03:41:12 · OUT 00:04:05:00 · Aussage zur Hofübergabe
Clip 08 · Schnittbild Stall: IN 00:11:20:00 · OUT 00:11:24:15
Bei 25 Bildern pro Sekunde ist Clip 07 also 23 Sekunden und 13 Bilder lang.
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