Zeitstempel im Transkript
Ohne Zeitstempel ist ein Transkript eine Sackgasse: Du liest einen Satz, der dir merkwürdig vorkommt, und musst die Stelle in einer einstündigen Aufnahme suchen. Mit Zeitstempel springst du direkt hin und hörst nach, wie es wirklich gesagt wurde – ironisch, zögernd, oder ob die Software sich schlicht verhört hat.
In Transkripten ist der Zeitstempel fast immer relativ: Er zählt ab dem Start der Aufnahme, nicht nach der Uhrzeit. Ein Gespräch, das um 14:05 Uhr begann, hat bei 00:10:00 also 14:15 Uhr erreicht – sofern die Aufnahme nicht zwischendurch pausiert wurde.
Wie fein? Wort, Satz oder Absatz
Zeitstempel können unterschiedlich dicht gesetzt sein, je nach Zweck:
- Pro Wort: Automatische Spracherkennung liefert intern meist Start- und Endzeit jedes Wortes. Das braucht man für Untertitel oder um beim Klick auf ein Wort genau dorthin zu springen.
- Pro Redebeitrag oder Absatz: die übliche Form in lesbaren Transkripten. Forschungsregeln verlangen Zeitmarken oft mindestens am Ende jedes Absatzes.
- In festen Abständen: etwa jede Minute oder bei unverständlichen Stellen – ein Kompromiss beim Abtippen von Hand.
Eine Falle bei automatisch erstellten Transkripten: Wird die Aufnahme vor der Transkription gekürzt, etwa weil lange Stille entfernt wird, müssen die Zeitstempel wieder auf die Originalzeit umgerechnet werden. Sonst passen die Angaben im Transkript nicht mehr zur gespeicherten Aufnahme. Gute Werkzeuge erledigen das im Hintergrund; bei selbst gebauten Abläufen lohnt sich ein Stichprobentest.
Übliche Schreibweisen
Am weitesten verbreitet ist Stunden:Minuten:Sekunden, also 01:02:15. Bei kurzen Aufnahmen reicht 02:15. Transkriptionsprogramme aus der Forschung setzen Zeitmarken oft zwischen Rautenzeichen und mit Zehntelsekunden, etwa #00:14:32-5#, damit sie sich vom Text klar abheben und von Analysesoftware erkannt werden.
Wer Zeitstempel in einer Arbeit zitiert, kombiniert sie mit dem Kürzel des Interviews: „(Interview B3, 00:23:14)“. Ob deine Hochschule Zeitmarken oder Absatznummern erwartet, steht in deren Vorgaben – siehe auch den Ratgeber Zeitmarken im Transkript setzen.
Zeitstempel ist nicht gleich Zeitstempel
Außerhalb von Transkripten bezeichnet das Wort meist eine absolute Zeitangabe: Datum und Uhrzeit, zu der eine Datei gespeichert, eine E-Mail gesendet oder ein Eintrag in einem Log geschrieben wurde. Computer speichern solche Angaben oft als Sekunden seit einem festen Startpunkt und rechnen sie erst für die Anzeige in Datum und Uhrzeit um.
Im Rechtsverkehr gibt es außerdem den qualifizierten elektronischen Zeitstempel nach der europäischen eIDAS-Verordnung: Ein Vertrauensdiensteanbieter bestätigt kryptografisch, dass bestimmte Daten zu einem bestimmten Zeitpunkt vorlagen. Mit Transkripten hat das nichts zu tun, auch wenn beide Zeitstempel heißen.
In der Video- und Tonproduktion schließlich arbeitet man mit dem Timecode, der neben Stunden, Minuten und Sekunden auch einzelne Videobilder zählt.
Thomas Steiner (00:31:05): Wir müssen die Messe in Wels bis Ende Mai fix buchen, sonst ist der Stand weg.
Julia Mayr (00:31:12): Ich klär das Budget mit der Geschäftsführung bis Mittwoch.
Thomas Steiner (00:31:18): Passt, dann buche ich am Donnerstag.
Wer drei Wochen später wissen will, wer was zugesagt hat, springt direkt zu 00:31:05.
Dieser Eintrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Beratung.