Die wichtigsten Charakteristiken
Die Namen kommen von der Form, die sich ergibt, wenn man die Empfindlichkeit rund um das Mikrofon aufzeichnet:
| Charakteristik | Nimmt auf | Typischer Einsatz |
|---|---|---|
| Kugel (omnidirektional) | aus allen Richtungen gleich | Ansteckmikrofone, Konferenzmikrofone in der Tischmitte |
| Niere | vor allem von vorn, von hinten stark gedämpft | Sprachaufnahme, Podcast, Headsets, Gesang |
| Superniere, Hyperniere | enger nach vorn, mit kleiner Empfindlichkeit nach hinten | Bühne, Film, laute Umgebung |
| Acht | von vorn und hinten, seitlich kaum | zwei Personen, die sich gegenübersitzen |
| Keule (Richtrohr) | sehr eng nach vorn | Film und Fernsehen, Aufnahme aus Distanz |
Manche Mikrofone lassen sich umschalten, etwa zwischen Kugel, Niere und Acht. Bei USB-Mikrofonen für Podcasts ist das verbreitet. Dann lohnt vor der Aufnahme ein Blick auf den Schalter – eine versehentlich eingestellte Acht nimmt auch alles hinter dem Mikrofon auf.
Das Polardiagramm lesen
Hersteller zeigen die Richtcharakteristik als Polardiagramm: einen Kreis, in dem 0° für die Vorderseite des Mikrofons steht. Eine Linie zeigt, wie stark Schall aus jeder Richtung gedämpft wird, meist in Dezibel. Bei der Kugel ist die Linie ein Kreis, bei der Niere eine nach hinten eingedellte Herzform, bei der Acht zwei gleich große Kreise vorne und hinten. Gemessen wird in einem schalltoten Raum, damit keine Reflexionen das Bild verfälschen.
Die Charakteristik gilt nicht für alle Tonhöhen gleich. Tiefe Töne werden auch von gerichteten Mikrofonen eher rundum aufgenommen, hohe Töne stärker gerichtet. Deshalb klingt eine Stimme, die seitlich an einer Niere vorbeispricht, nicht nur leiser, sondern auch dumpfer.
Was das für Meetings und Gespräche bedeutet
Eine Kugel nimmt alle Personen am Tisch auf, aber eben auch Hall, Lüfter und Papiergeraschel. Eine Niere blendet die Seiten und die Rückseite aus, verlangt aber, dass die Person vor dem Mikrofon bleibt. Für Aufnahmen, die später transkribiert werden, ist ein gerichtetes Mikrofon nah am Mund meist die beste Wahl, weil das Verhältnis von Stimme zu Störgeräusch steigt.
Laptops und Konferenzlautsprecher arbeiten oft mit mehreren Mikrofonkapseln und Software, die eine Richtwirkung elektronisch erzeugt (Beamforming). Sie richten sich auf die Person aus, die gerade spricht – das funktioniert gut, solange nicht mehrere gleichzeitig reden.
Eine Eigenheit gerichteter Mikrofone ist der Nahbesprechungseffekt: Spricht man sehr nah hinein, werden die Bässe deutlich angehoben, die Stimme klingt voller und dröhnt bei zu geringem Abstand. Kugelmikrofone zeigen diesen Effekt praktisch nicht.
Die passende Wahl
Als Orientierung für typische Situationen:
- Eine Person am Schreibtisch: Niere oder ein Headset
- Zwei Personen gegenüber: Acht in der Mitte oder zwei Nieren, eine pro Person
- Runder Tisch mit mehreren Personen: Kugel in der Mitte oder mehrere verteilte Mikrofone
- Laute Umgebung: Niere oder Superniere möglichst nah am Mund
- Ansteckmikrofon: meist Kugel, weil sich die Ausrichtung beim Bewegen ständig ändert
Die Richtcharakteristik hilft auch gegen Rückkopplung: Wer einen Lautsprecher in die unempfindliche Richtung des Mikrofons stellt, gewinnt Reserve, bevor es zu pfeifen beginnt.
Journalistin Leitner legt für ein Interview ein Nierenmikrofon zwischen sich und ihren Gesprächspartner und richtet es auf ihn aus. Ihre eigenen Fragen kommen von hinten – in der Aufnahme sind sie leise, dumpf und im Café-Lärm kaum verständlich.
Beim nächsten Termin nimmt sie zwei Ansteckmikrofone, für jede Person eines. Beide Stimmen sind klar, und die Hintergrundgeräusche treten deutlich zurück.
Dieser Eintrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Beratung.