Pegel, Gain, Lautstärke – was ist was
Der Pegel wird in Dezibel (dB) angegeben, also auf einer logarithmischen Skala im Verhältnis zu einem Bezugswert. In der digitalen Aufnahme ist dieser Bezugswert der größte Wert, der sich überhaupt speichern lässt: 0 dBFS (Decibels relative to Full Scale). Alle Pegel liegen deshalb im Minus, −6 dBFS ist lauter als −20 dBFS.
Der Gain ist die Eingangsverstärkung vor der Digitalisierung – der Regler am Recorder, am Audio-Interface oder der Mikrofonpegel in den Systemeinstellungen. Die Wiedergabelautstärke dagegen bestimmt nur, wie laut du etwas hörst; an der Aufnahme ändert sie nichts. Für fertige Produktionen gibt es zusätzlich die Lautheit in LUFS, die das menschliche Lautstärkeempfinden nachbildet. Beim Aufnehmen zählt aber der Spitzenpegel.
Zu laut: Übersteuerung
Überschreitet das Signal 0 dBFS, wird alles darüber abgeschnitten. Die Wellenform bekommt flache Kappen, man hört ein hartes Kratzen oder Knacken. Diese Übersteuerung (englisch Clipping) ist im Nachhinein nicht sauber zu reparieren: Spezielle Werkzeuge können sie mildern, das Original rekonstruieren können sie nicht.
Typische Auslöser sind Lachen, ein energischer Einwurf, ein Mikrofon direkt vor dem Mund oder ein Gain, der beim leisen Testsprechen eingestellt wurde. Für die Spracherkennung sind übersteuerte Stellen besonders schwierig, weil gerade die betonten, wichtigen Wörter verzerrt sind.
Zu leise: das Rauschen holt auf
Jede Aufnahmekette rauscht ein wenig – Mikrofon, Vorverstärker, Raum. Ist die Stimme sehr leise, liegt sie nur knapp über diesem Grundrauschen. Hebt man sie später an, wird das Rauschen im selben Maß lauter. Der Abstand zwischen Nutzsignal und Rauschen (Signal-Rausch-Abstand) lässt sich nachträglich nicht vergrößern, höchstens mit Rauschunterdrückung kaschieren.
Zwischen den beiden Fehlern gilt: Etwas zu leise ist meist das kleinere Übel. Ein leiser Pegel kostet ein bisschen Qualität, eine übersteuerte Stelle ist verloren.
Ein Sonderfall sind Aufnahmen mit 24 Bit: Sie haben mehr Reserve nach unten und verzeihen einen etwas zu leisen Pegel besser als 16 Bit. Gegen Raumrauschen oder einen brummenden Lüfter hilft das allerdings nicht – das sitzt schon im Signal, bevor es digitalisiert wird.
Faustregeln für Sprachaufnahmen
Exakte Zielwerte hängen von Gerät und Situation ab. Diese verbreiteten Faustregeln funktionieren für Gespräche und Interviews gut:
- Spitzen deutlich unter 0 dBFS: Die lautesten Stellen sollten etwa im Bereich von −12 bis −6 dBFS liegen. So bleibt Reserve für Lachen und Zwischenrufe.
- Mit der lautesten Stelle testen: Nicht leise „Test, Test“ sagen, sondern so sprechen, wie es im Gespräch am lautesten wird.
- Pegelanzeige beobachten: Grün und gelb sind gut, Rot bedeutet Übersteuerung.
- Abstand konstant halten: Ein Headset oder Ansteckmikrofon hält den Abstand zum Mund gleich, der Pegel schwankt weniger.
- Automatik kennen: Videokonferenz-Programme und Browser regeln den Mikrofonpegel oft automatisch nach (automatische Verstärkungsregelung). Das ist bequem, kann in Sprechpausen aber das Hintergrundrauschen hochziehen.
Obmann Leitner stellt einen Recorder auf den Vorstandstisch und regelt den Gain ein, während er selbst spricht – nah am Gerät, gut hörbar.
In der Aufnahme sind die Wortmeldungen aus dem Saal danach kaum verständlich, und beim Applaus nach dem Kassabericht leuchtet die Anzeige rot.
Beim nächsten Mal testet er mit zwei Stimmen: einer leisen aus der letzten Reihe und dem lautesten Moment vorne. Der Gain liegt dazwischen, ein zweites Mikrofon steht im Saal.
Dieser Eintrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Beratung.