Die Phasen einer Entscheidung
Ob ein Team über ein neues Werkzeug entscheidet oder ein Vorstand über ein Budget – der Ablauf ist im Kern ähnlich:
- Frage klären: Was genau wird entschieden, bis wann, und was passiert, wenn nichts entschieden wird?
- Optionen sammeln: mindestens zwei echte Alternativen, auch „so lassen wie bisher“
- Bewerten: Kriterien festlegen (Kosten, Aufwand, Risiko, Wirkung) und die Optionen daran messen
- Entscheiden: nach einem vorher vereinbarten Verfahren
- Festhalten und mitteilen: Was gilt ab wann, wer setzt es um, wer muss es erfahren?
Viele Entscheidungen scheitern an der ersten oder letzten Phase. Entweder ist die Frage so unscharf, dass jede:r etwas anderes diskutiert, oder die Entscheidung wird getroffen, aber nirgends festgehalten – und drei Wochen später erneut aufgerollt.
Entscheidungsverfahren in Gruppen
Wer in einer Gruppe entscheidet, sollte vorher wissen, nach welcher Regel. Die gängigsten Verfahren:
| Verfahren | So funktioniert es | Passt gut, wenn … |
|---|---|---|
| Einzelentscheid | eine verantwortliche Person entscheidet allein | es schnell gehen muss oder die Zuständigkeit klar ist |
| Konsultativer Einzelentscheid | eine Person entscheidet, nachdem sie die Betroffenen angehört hat | Fachwissen verteilt ist, Verantwortung aber bei einer Person liegt |
| Mehrheitsbeschluss | Abstimmung, die vorgeschriebene Mehrheit gilt | Gremien mit Satzung oder Geschäftsordnung entscheiden |
| Konsens | alle tragen die Entscheidung mit | die Umsetzung von allen abhängt |
| Konsent | angenommen, wenn niemand einen schwerwiegenden Einwand hat | zügig entschieden werden soll, ohne Minderheiten zu überstimmen |
| Systemisches Konsensieren | alle Optionen werden mit Widerstandspunkten von 0 bis 10 bewertet, die mit dem geringsten Gesamtwiderstand gewinnt | mehrere Varianten auf dem Tisch liegen |
Systemisches Konsensieren wurde in Österreich entwickelt. Eine Besonderheit ist, dass der Status quo als eigene Option mitbewertet wird – so zeigt sich, ob eine Veränderung überhaupt gewollt ist.
Vorher klären, wie entschieden wird
Ein großer Teil der Reibung in Meetings entsteht, weil unklar ist, wer am Ende entscheidet. Die Teamleiterin glaubt, sie hole Meinungen ein; das Team glaubt, es werde abgestimmt. Hilfreich ist ein Satz zu Beginn: „Ich höre mir eure Sicht an und entscheide bis Freitag“ oder „Wir entscheiden heute im Konsent“.
Ebenso wichtig ist ein Rückfallverfahren. Kommt beim Konsens nach einer festgelegten Zeit keine Einigung zustande, entscheidet etwa die Projektleitung. Wer das vorher vereinbart, verhindert endlose Schleifen.
Welches Verfahren passt, hängt vor allem von zwei Fragen ab: Wie schwer lässt sich die Entscheidung rückgängig machen, und wie stark hängt die Umsetzung von den Beteiligten ab? Eine leicht umkehrbare Entscheidung über das Format des Wochenmeetings verträgt einen schnellen Einzelentscheid. Eine Umstellung der Arbeitszeiten, die alle betrifft, verdient mehr Beteiligung.
Typische Stolpersteine
Scheinkonsens: Niemand widerspricht, also gilt etwas als beschlossen – obwohl die Hälfte innerlich dagegen ist. Eine kurze Abfrage per Handzeichen oder Daumenprobe macht das sichtbar. Gruppendenken: Eine Gruppe verliebt sich in eine Lösung und blendet Gegenargumente aus; eine bewusst eingesetzte Gegenstimme hilft. Entscheidungen ohne Spur: Was nicht schriftlich festgehalten wird, verhandelt man später neu. Ein Entscheidungslog oder Beschlussprotokoll verhindert das.
Das sechsköpfige Projektteam von Ingenieurbüro Gruber braucht ein neues Aufgabenwerkzeug. Projektleiterin Sabine Huber kündigt an: „Ich sammle bis Mittwoch eure Anforderungen, teste zwei Tools und entscheide am Montag.“
Montag im Protokoll: Entscheidung: Ab 1. April wird Werkzeug B genutzt. Begründung: Offline-Nutzung auf der Baustelle möglich. Verworfen: Werkzeug A – günstiger, aber ohne Offline-Modus. Umsetzung: Daten übertragen – Florian Berger – 28. März.
Dieser Eintrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Beratung.