Lexikon · Protokoll & Dokumentation

Was ist ein Entscheidungslog?

Kurz erklärt

Ein Entscheidungslog (englisch Decision Log) ist eine fortlaufende Liste der wichtigen Entscheidungen in einem Team oder Projekt – jeweils mit Datum, Begründung, Beteiligten und verworfenen Alternativen. So bleibt nachvollziehbar, warum etwas so ist, wie es ist.

Auch genannt: Decision Log · Entscheidungsregister · Entscheidungsprotokoll

Welches Problem ein Entscheidungslog löst

Entscheidungen fallen an vielen Orten: im Meeting, in einer Mail, im Chat, beim Mittagessen. Festgehalten werden sie, wenn überhaupt, in dem Protokoll des jeweiligen Termins. Ein halbes Jahr später fragt jemand: „Warum haben wir uns eigentlich gegen den zweiten Anbieter entschieden?“ – und niemand findet die Antwort. Die Diskussion beginnt von vorn, oft mit denselben Argumenten.

Ein Entscheidungslog sammelt die Entscheidungen an einem Ort, unabhängig davon, wo sie gefallen sind. Neue Teammitglieder lesen sich in einer Stunde ein, statt Dutzende Protokolle durchzugehen. Und wer eine alte Entscheidung infrage stellt, sieht sofort, welche Gründe damals galten – und ob sie heute noch gelten.

Was zu einem Eintrag gehört

Ein Eintrag ist kurz, beantwortet aber mehr als nur „was“:

  • Nummer und Datum
  • Entscheidung in einem Satz
  • Kontext: Welches Problem oder welche Frage lag vor?
  • Betrachtete Alternativen und warum sie verworfen wurden
  • Begründung für die gewählte Lösung
  • Wer entschieden hat und wer einbezogen war
  • Status: vorgeschlagen, gültig, ersetzt durch Eintrag Nr. …
  • Folgen: was sich dadurch ändert, auch Nachteile, die man bewusst in Kauf nimmt
  • Quelle: Verweis auf Protokoll, Mail oder Dokument

Vorbild aus der Softwareentwicklung: Architecture Decision Records

Besonders verbreitet ist die Idee in Softwareteams. Der Entwickler Michael Nygard beschrieb 2011 sogenannte Architecture Decision Records (ADR): kurze Dokumente von ein bis zwei Seiten mit Titel, Kontext, Entscheidung, Status und Konsequenzen. Er betont, dass dabei alle Folgen festgehalten werden sollen, nicht nur die positiven.

Das Prinzip lässt sich auf jede Art von Team übertragen. Besonders nützlich ist der Status: Eine überholte Entscheidung wird nicht gelöscht oder überschrieben, sondern als „ersetzt“ markiert und mit der neuen verknüpft. So entsteht eine Geschichte, an der man ablesen kann, wie sich ein Projekt entwickelt hat.

Entscheidungslog oder Beschlussprotokoll?

Ein Beschlussprotokoll gehört zu einer einzelnen Sitzung eines Gremiums und hält förmliche Beschlüsse mit Abstimmungsergebnis fest. Ein Entscheidungslog ist fortlaufend, kanalübergreifend und enthält auch informelle Entscheidungen, die nie abgestimmt wurden – etwa die Wahl eines Tools oder die Festlegung, welche Kund:innen Vorrang haben.

Vor allem aber hält das Log die Begründung fest, die im Beschlussprotokoll meist fehlt. Beide schließen sich nicht aus: Ein Verein kann seine Beschlüsse protokollieren und die wichtigsten zusätzlich mit Begründung im Entscheidungslog sammeln.

Beispiel
Zwei Einträge aus dem Entscheidungslog einer Agentur

E-07 · 3. Februar · gültig – Kundenwebsites werden künftig nur noch bei Hostern mit Rechenzentrum in der EU betrieben. Kontext: zunehmende Datenschutzfragen von Kund:innen. Verworfen: Einzelfallprüfung je Projekt (zu aufwendig). Folgen: zwei bestehende Websites müssen bis Jahresende umziehen. Entschieden von: Leitner, Berger. Quelle: Protokoll Teammeeting 3. 2.

E-04 · 12. November · ersetzt durch E-07 – Hosting wird je Projekt nach Preis gewählt.

Dieser Eintrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Beratung.

Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Entscheidungslog und Protokoll?

Ein Protokoll dokumentiert einen einzelnen Termin mit allem, was dort besprochen wurde. Ein Entscheidungslog sammelt nur die Entscheidungen, aber über alle Termine und Kanäle hinweg und mit Begründung.

Welche Entscheidungen gehören ins Entscheidungslog?

Solche, die später jemand hinterfragen könnte oder die schwer rückgängig zu machen sind. Kleine Alltagsentscheidungen gehören nicht hinein, sonst wird das Log unübersichtlich.

Wo führt man ein Entscheidungslog?

Dort, wo das Team ohnehin arbeitet: im Wiki, in einem geteilten Dokument oder als Tabelle. Wichtig ist, dass es genau eine Stelle gibt.

Was ist ein ADR?

ADR steht für Architecture Decision Record, ein kurzes Dokument zu einer Architekturentscheidung in der Softwareentwicklung mit Kontext, Entscheidung, Status und Konsequenzen.

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