- Übergeben wird zu einem festen Zeitpunkt – nicht dann, wenn der Kunde zum ersten Mal anruft.
- Das Wichtigste sind die Zusagen aus dem Verkauf, auch die mündlichen.
- Im internen Übergabegespräch stellt Customer Success die Fragen, nicht der Vertrieb.
- Ein gemeinsamer Termin mit dem Kunden macht den Wechsel sichtbar.
- Der Vertrieb bleibt für Rückfragen erreichbar – mit klarem Enddatum.
Warum Übergaben so oft schiefgehen
Im Verkauf hat der Kunde ausführlich erklärt, was er braucht, welche Bedenken er hat und woran er den Erfolg messen wird. Er hat Zusagen bekommen – manche im Angebot, manche nebenbei am Telefon. Dann unterschreibt er, und eine neue Person meldet sich, die nichts davon weiß. Die ersten Sätze dieser Person entscheiden, ob der Kunde denkt „Die haben sich abgesprochen“ oder „Muss ich jetzt alles noch einmal erzählen?“.
Die Ursachen sind meistens strukturell: Der Vertrieb ist schon beim nächsten Abschluss, die Übergabe besteht aus einer weitergeleiteten Mail, und mündliche Zusagen stehen nirgends. Customer Success übernimmt damit Erwartungen, die es nicht kennt. Dieser Ratgeber beschreibt den Prozess; welche Inhalte in die schriftliche Übergabe gehören, zeigt die Vorlage Kundenübergabe. Für Betreuerwechsel innerhalb eines Teams – Urlaub, Jobwechsel – gibt es den Ratgeber Kundenübergabe im Team.
Der richtige Zeitpunkt
Übergeben wird nicht „irgendwann nach Vertragsabschluss“, sondern an einem festen Punkt im Prozess. Welcher das ist, hängt von eurer Leistung ab:
- Direkt nach der Unterschrift: bei Standardprodukten mit kurzem Onboarding. Die Übergabe findet innerhalb von ein bis zwei Werktagen statt.
- Vor der Unterschrift: bei großen oder komplexen Abschlüssen. Customer Success lernt den Kunden schon in der Endphase kennen, etwa bei der Klärung des Einführungsplans.
- Nach einem gemeinsamen Kickoff: wenn der Vertrieb den Start noch begleitet und erst danach vollständig übergibt.
Entscheidend ist, dass der Zeitpunkt für alle gleich ist und nicht von der Laune des Einzelnen abhängt. Schreibt ihn in eure Prozessbeschreibung und legt fest, was bis dahin vorliegen muss – siehe Checkliste weiter unten.
Die schriftliche Übergabe: was Customer Success wissen muss
Die schriftliche Übergabe entsteht beim Vertrieb und liegt spätestens einen Tag vor dem internen Gespräch vor. Sie muss nicht lang sein, aber diese Fragen beantworten:
| Frage | Warum sie wichtig ist | Beispiel |
|---|---|---|
| Warum hat der Kunde gekauft? | Zeigt, woran die Zusammenarbeit gemessen wird | „Angebote dauern eine Woche, Ziel: am selben Tag“ |
| Was wurde zugesagt? | Erwartungen, die erfüllt werden müssen | Einschulung für drei Personen, Start bis 1. 2., Ansprechperson mit Telefonnummer |
| Wer ist wer beim Kunden? | Entscheider, Nutzer, Skeptiker | GF Huber entscheidet, Fr. Berger arbeitet täglich damit, IT-Leiter war skeptisch |
| Welche Bedenken gab es? | Risiken für die ersten Wochen | „Wir hatten schon einmal ein Tool, das niemand benutzt hat.“ |
| Was ist ungewöhnlich? | Abweichungen vom Standard | Sonderpreis für das erste Jahr, Zahlung quartalsweise |
Bei Zusagen lohnt die Genauigkeit am meisten. Schreib zu jeder dazu, ob sie schriftlich vorliegt oder mündlich gemacht wurde, und wann. Die gefährlichsten Zusagen sind die mündlichen, an die sich nur der Kunde erinnert. Wenn Verkaufsgespräche mitgeschrieben wurden, lassen sie sich nachlesen – Hinweise dazu in Zusagen aus Kundengesprächen nachhalten.
Das interne Übergabegespräch
Ein Dokument allein reicht selten. Vieles, was für die Betreuung wichtig ist, steht zwischen den Zeilen: die Stimmung beim Kunden, die Person, die man nicht übergehen sollte, der Grund, warum der Abschluss so lange gedauert hat. Dafür gibt es ein kurzes Gespräch von 20 bis 30 Minuten. Ein Ablauf, der funktioniert:
- Vertrieb fasst zusammen (5 Min.): Kunde, Anlass, Ziel – in drei Sätzen, nicht mehr.
- Customer Success fragt (15 Min.): auf Basis der schriftlichen Übergabe, die vorher gelesen wurde.
- Gemeinsamer Blick auf Risiken (5 Min.): Was könnte in den ersten Wochen schiefgehen?
- Nächste Schritte (5 Min.): Termin mit dem Kunden, wer lädt ein, wer macht was.
Wichtig ist die Rollenverteilung: Customer Success stellt die Fragen. Wer übernimmt, weiß am besten, was er braucht. Gute Fragen sind zum Beispiel: „Was hat der Kunde gesagt, als es um den Starttermin ging?“, „Gibt es etwas, das du ihm gesagt hast und das nicht im Angebot steht?“, „Wer beim Kunden wird am ehesten unzufrieden, und warum?“.
Der gemeinsame Termin mit dem Kunden
Der Wechsel der Ansprechperson sollte für den Kunden sichtbar sein und nicht nur per Mail angekündigt werden. Ideal ist ein kurzer gemeinsamer Termin oder der Beginn des Kickoff-Calls, in dem der Vertrieb die neue Betreuung vorstellt. Eine mögliche Formulierung:
- „Frau Berger, ich möchte Ihnen Lisa Gruber vorstellen. Sie betreut Sie ab heute und kennt unser bisheriges Gespräch – insbesondere Ihr Ziel, Angebote am selben Tag rausschicken zu können, und die Einschulung für Ihr Team bis Februar. Ich bleibe im Hintergrund und bin bis Ende Jänner für Rückfragen erreichbar.“
Der Satz leistet drei Dinge: Er überträgt Vertrauen vom Vertrieb auf die Betreuung, er zeigt, dass Wissen weitergegeben wurde, und er setzt einen klaren Rahmen für die Rolle des Vertriebs. Danach übernimmt Customer Success das Gespräch – und beginnt nicht mit „Erzählen Sie doch mal“, sondern mit „Damit ich sicher bin, dass ich alles richtig verstanden habe: …“. Wie die ersten Wochen danach aussehen, beschreibt Kunden-Onboarding: Ablauf der ersten Wochen.
Checkliste: Übergabe bereit, wenn …
Eine Übergabe ist erst dann vollständig, wenn alle Punkte erfüllt sind. Diese Liste kann als feste Bedingung im Prozess gelten:
- Vertrag und Angebot sind abgelegt und für Customer Success zugänglich.
- Ziele des Kunden sind in seinen Worten festgehalten.
- Alle Zusagen sind einzeln aufgelistet, mit „schriftlich“ oder „mündlich“.
- Ansprechpersonen beim Kunden sind mit Rolle und Haltung eingetragen.
- Bekannte Bedenken und Risiken sind benannt.
- Die Gesprächsnotizen aus dem Verkauf liegen beim Kunden, nicht im Postfach des Vertriebs.
- Ein Termin mit dem Kunden für die Vorstellung oder den Kickoff steht.
Nach der Übergabe: Rückmeldung an den Vertrieb
Übergaben verbessern sich nur, wenn Customer Success zurückmeldet, was gefehlt hat. Ein einfacher Weg: Nach vier bis sechs Wochen gibt die Betreuung eine kurze Rückmeldung in drei Sätzen – Was hat in der Übergabe gefehlt? Welche Zusage kam überraschend? Wo lagen die Erwartungen des Kunden anders als beschrieben?
Gesammelt über mehrere Kund:innen zeigt das Muster: Vielleicht wird regelmäßig zu viel bei der Einführungsdauer versprochen, oder bestimmte Fragen werden im Verkauf nie gestellt. Diese Erkenntnisse gehören ins Vertriebsteam – nicht als Vorwurf, sondern als Grundlage für bessere Gesprächsleitfäden und realistischere Angebote.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Beratung. Stand der Angaben: 8. Oktober 2026.