Meetings · 5 Min. Lesezeit

Fragen für die Retrospektive: für jede Phase die passende

Gute Retro-Fragen sind offen, beziehen sich auf einen klaren Zeitraum und zielen auf Abläufe statt auf Personen – etwa „Was hat uns in diesem Sprint am meisten Zeit gekostet?“ oder „Was würden wir genauso wieder machen?“. Hier findest du Fragen für jede Phase der Retro, für besondere Situationen und fürs Nachhaken.

Aktualisiert am 8. Oktober 2026 · von Paul Hölzl & Ben Braunsperger
Auf einen Blick
  • Frag offen und konkret: ein Zeitraum, ein Thema, keine Ja-Nein-Fragen.
  • Frag nach Abläufen, nicht nach Schuldigen – „Was hat verhindert …?“ statt „Wer hat …?“.
  • Die besten Erkenntnisse kommen aus Nachfragen: „Kannst du ein Beispiel nennen?“
  • Beginne jede Retro mit dem Blick auf die Maßnahmen der letzten.
  • Für festgefahrene Teams helfen Perspektivwechsel-Fragen, etwa aus Sicht eines neuen Teammitglieds.

Was eine gute Retro-Frage ausmacht

Die Frage bestimmt, worüber gesprochen wird. „Wie war der Sprint?“ erzeugt ein Achselzucken und ein „Eh ganz okay“. Eine Frage, die einen konkreten Moment ins Gedächtnis ruft, erzeugt Geschichten – und aus Geschichten lassen sich Maßnahmen ableiten. Diese Gegenüberstellung zeigt den Unterschied:

SchwachBesser
War der Sprint gut?Was hat in diesem Sprint besser funktioniert als im letzten?
Was können wir verbessern?Wo haben wir in den letzten zwei Wochen gewartet – auf wen oder worauf?
Seid ihr mit der Kommunikation zufrieden?Welche Information hat dich zuletzt zu spät erreicht?
Warum hat Thomas das Ticket nicht fertig gemacht?Was hat verhindert, dass Tickets im Sprint fertig wurden?
Wir sind uns einig, dass die Planung schlecht war, oder?Wie gut hat unsere Planung zur tatsächlichen Arbeit gepasst?

Die letzten beiden Zeilen zeigen die zwei häufigsten Fallen: Fragen, die auf eine Person zielen, und Suggestivfragen, die die Antwort schon vorgeben. Beide sorgen dafür, dass die Leisen noch leiser werden.

Fragen für den Einstieg

Die ersten Minuten holen alle ins Hier und Jetzt und geben ein schnelles Stimmungsbild. Kurze Fragen, die jede Person in einem Satz beantwortet:

  • Der letzte Sprint in einem Wort?
  • Wie zufrieden bist du mit dem Sprint, von 1 bis 5?
  • Wenn der Sprint ein Wetter gewesen wäre – welches?
  • Was war dein persönlicher Höhepunkt der letzten zwei Wochen?
  • Mit welcher Erwartung gehst du in diese Retro?
  • Was haben wir uns in der letzten Retro vorgenommen – und was ist daraus geworden?

Die letzte Frage gehört in jede Retro. Ohne sie beschließt das Team Maßnahmen, deren Wirkung nie jemand prüft. Allgemeine Einstiegsfragen für andere Meetings sammelt Check-in-Fragen für Meetings.

Fragen zum Sammeln: was ist passiert?

In dieser Phase geht es um Fakten und Erleben, noch nicht um Lösungen. Lass zuerst still sammeln, dann vorlesen. Je nach Schwerpunkt passen diese Fragen:

  • Ergebnis: Was haben wir geschafft, worauf wir stolz sein können? Was haben wir uns vorgenommen und nicht geschafft?
  • Ergebnis: Welche Aufgabe hat viel länger gedauert als gedacht?
  • Zusammenarbeit: Wann hast du dich vom Team gut unterstützt gefühlt?
  • Zusammenarbeit: Wo hast du gewartet – auf eine Antwort, eine Freigabe, eine Entscheidung?
  • Zusammenarbeit: Welches Gespräch hätten wir früher führen sollen?
  • Abläufe und Werkzeuge: Welcher Arbeitsschritt hat dich am meisten genervt?
  • Abläufe und Werkzeuge: Was hast du doppelt gemacht oder umsonst?
  • Kund:innen und Umfeld: Welche Rückmeldung von außen hat uns überrascht?
  • Kund:innen und Umfeld: Was hat sich während des Sprints geändert, ohne dass wir es geplant hatten?

Wähle nicht alle Fragen auf einmal, sondern zwei bis vier, die zum Zeitraum passen. Welche Formate die Sammlung strukturieren – Segelboot, Seestern, 4L und andere –, beschreibt Retrospektive-Methoden im Überblick.

Fragen für Ursachen und Erkenntnisse

Jetzt wird aus der Sammlung ein Verständnis. Die Moderation wählt die zwei, drei wichtigsten Themen – am besten per Punkte-Abstimmung – und geht in die Tiefe:

  • Was haben diese Punkte gemeinsam?
  • Wann ist das zum ersten Mal aufgetreten?
  • Was war anders in den Fällen, in denen es geklappt hat?
  • Was müsste wahr sein, damit das nicht mehr passiert?
  • Was davon liegt in unserer Hand, was nicht?
  • Welche Annahme hat sich in diesem Sprint als falsch herausgestellt?

Die Frage „Was davon liegt in unserer Hand?“ verdient besondere Aufmerksamkeit. Viele Retros drehen sich um Dinge, die das Team nicht ändern kann – Budgetentscheidungen, Vorgaben aus der Konzernzentrale, die Urlaubsplanung eines Kunden. Trennt diese Punkte bewusst ab: Was außerhalb liegt, wird als Anliegen an die zuständige Stelle weitergegeben, und die Retro konzentriert sich auf das, was ihr selbst beeinflussen könnt.

Mindestens so wichtig wie die vorbereiteten Fragen sind die Nachfragen. Sie machen aus einem allgemeinen Unbehagen etwas, woran man arbeiten kann.

Nachfragen, die weiterhelfen

Wenn jemand sagt „Die Abstimmung mit dem Vertrieb war mühsam“, steckt dahinter meist eine konkrete Erfahrung. Diese Rückfragen holen sie heraus, ohne die Person in die Defensive zu drängen:

  • „Kannst du ein konkretes Beispiel nennen?“
  • „Wie oft ist das vorgekommen – einmal oder regelmäßig?“
  • „Was hat das für dich bzw. für das Team bedeutet?“
  • „Wer ist davon noch betroffen?“
  • „Was hättest du in dem Moment gebraucht?“
  • „Sehen das andere ähnlich oder anders?“
  • „Und warum ist das so?“ – mehrmals hintereinander, bis eine beeinflussbare Ursache sichtbar wird.
Nachfragen sind keine Verhöre. Stell sie mit echter Neugier, nicht mit dem Ton „Beweis es mir“. Und wenn jemand nicht weiter erzählen will, ist das zu respektieren.

Fragen für Maßnahmen und Abschluss

Die Maßnahmenphase entscheidet, ob die Retro etwas bewirkt. Diese Fragen helfen, von Wünschen zu konkreten Schritten zu kommen:

  • Was ist das kleinste Experiment, das wir im nächsten Sprint ausprobieren können?
  • Woran merken wir in zwei Wochen, dass es gewirkt hat?
  • Wer übernimmt das – und ab wann?
  • Was hören wir auf zu tun, um dafür Platz zu schaffen?
  • Welche Maßnahme bringt mit dem wenigsten Aufwand am meisten?
  • Was davon muss jemand außerhalb des Teams erfahren oder entscheiden?

Zum Abschluss genügen zwei kurze Fragen: „Was nimmst du aus dieser Retro mit?“ und „Wie war die Retro selbst – was machen wir beim nächsten Mal anders?“. Die Antworten auf die zweite Frage sind die beste Grundlage, das Format weiterzuentwickeln. Wo du Maßnahmen und Ergebnisse festhältst, zeigt die Vorlage Retrospektive.

Fragen für besondere Situationen

Nicht jede Retro ist eine Routine-Retro. Für diese Fälle lohnen eigene Fragen:

SituationFragen
Nach einem missglückten ReleaseWann hätten wir es zum ersten Mal merken können? Was hat uns daran gehindert? Was hat Schlimmeres verhindert?
Team hat sich „nichts zu sagen“Was würde ein neues Teammitglied bei uns irritieren? Wenn du über Nacht eine Sache an unserer Arbeitsweise ändern könntest – welche?
Remote-TeamWann hast du dich zuletzt vom Rest des Teams abgeschnitten gefühlt? Welche Absprache funktioniert online besser als im Büro?
Nach einem TeamwechselWas hat dir der Einstieg leicht gemacht, was schwer? Was weißt du heute, das du am ersten Tag gern gewusst hättest?
Retro mit Kund:innen oder FachbereichWas hat Sie in der Zusammenarbeit überrascht? Wo hätten Sie früher eingebunden werden wollen?
ProjektendeWas würden wir beim nächsten ähnlichen Projekt genauso machen – und was nie wieder?

Beim Projektende geht es weniger um das eigene Team als um künftige Projekte – dafür eignet sich ein eigenes Format, beschrieben in Lessons-Learned-Meeting durchführen.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Beratung. Stand der Angaben: 8. Oktober 2026.

Häufige Fragen
Was sind die klassischen Retrospektive-Fragen?

Was lief gut? Was lief nicht gut? Was wollen wir beim nächsten Mal anders machen? Sie funktionieren, werden aber mit der Zeit vorhersehbar – dann helfen konkretere Fragen zu einem Zeitraum oder Thema.

Wie viele Fragen stellt man in einer Retro?

Weniger, als man denkt: eine Einstiegsfrage, zwei bis vier Fragen zum Sammeln und dann Nachfragen zu den wichtigsten Themen. Zu viele Fragen führen zu vielen Klebezetteln und wenig Tiefe.

Wie frage ich nach Problemen, ohne Schuldige zu suchen?

Frag nach Abläufen und Situationen statt nach Personen: „Was hat verhindert …?“ statt „Wer hat …?“. Viele Teams beginnen die Retro außerdem mit dem Grundsatz, dass alle ihr Bestes gegeben haben.

Welche Frage gehört in jede Retrospektive?

Die Frage nach den Maßnahmen der letzten Retro: Was haben wir uns vorgenommen, und was ist daraus geworden?

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