Welche Fehler typisch sind
Automatische Transkripte sind heute oft erstaunlich gut. Die Fehler, die bleiben, häufen sich an bestimmten Stellen:
- Namen und Fachbegriffe: seltene Wörter werden durch häufige ersetzt („Hube Bau“ statt „Huber Bau“).
- Zahlen und Daten: „fünfzehn“ und „fünfzig“, „Juni“ und „Juli“ klingen ähnlich.
- Verneinungen: Aus „kein“ wird „ein“ – ein Buchstabe, der den Sinn umdreht.
- Sprecherzuordnung: Ein Satz landet bei der falschen Person, vor allem bei kurzen Einwürfen (siehe Sprechererkennung).
- Lücken: Wenn zwei gleichzeitig reden oder jemand leise spricht, fehlen Satzteile.
- Zeichensetzung: Satzgrenzen und Fragen sitzen falsch (siehe automatische Zeichensetzung).
Viele dieser Fehler sind inhaltlich harmlos. Gefährlich sind die, die plausibel aussehen: Ein falscher Monat oder eine verschluckte Verneinung ergibt einen grammatisch einwandfreien Satz, der beim Überfliegen nicht auffällt.
Wie gründlich korrigieren?
Wie viel Aufwand nötig ist, hängt davon ab, wofür das Transkript gebraucht wird:
| Zweck | Korrekturtiefe |
|---|---|
| Internes Protokoll, Zusammenfassung | gezielt: Namen, Zahlen, Termine, Zusagen, Verneinungen |
| Zitat in einem Artikel oder Bericht | Wort für Wort an der zitierten Stelle, mit Nachhören |
| Wissenschaftliche Auswertung | vollständig, nach festgelegten Transkriptionsregeln |
| Untertitel | vollständig, zusätzlich Zeilenlänge und Timing |
Wer alles Wort für Wort prüft, obwohl nur ein Protokoll entstehen soll, verschenkt Zeit. Wer ein Zitat nur überfliegt, riskiert, jemandem etwas in den Mund zu legen.
Als Faustregel gilt: Je weiter ein Transkript den Kreis der Gesprächsteilnehmenden verlässt, desto gründlicher sollte es geprüft sein.
So geht es schneller
Ein paar Arbeitstechniken sparen bei jeder Korrektur spürbar Zeit:
- Vom Text zur Stelle springen: Ein Klick auf ein Wort spielt die passende Stelle ab, statt im Audio zu suchen.
- Wiedergabe verlangsamen bei schnellen Sprecher:innen und unklaren Passagen.
- Tastenkürzel für Abspielen, Pause und ein paar Sekunden zurück.
- Unsichere Stellen zuerst: Wenn die Software Konfidenzwerte anzeigt, mit den niedrigsten anfangen.
- Suchen und Ersetzen für Fehler, die sich wiederholen – und den Begriff danach ins Benutzerwörterbuch eintragen, damit er beim nächsten Mal stimmt.
- Zwei Durchgänge: zuerst hörend den Inhalt prüfen, dann lesend Form und Zeichensetzung.
Wer regelmäßig mit denselben Gesprächspartner:innen arbeitet, merkt schnell, welche Fehler wiederkehren. Mit einem gepflegten Wörterbuch wird die Korrektur dadurch von Mal zu Mal kürzer.
Korrektur durch KI
Sprachmodelle können offensichtliche Erkennungsfehler aus dem Zusammenhang beheben: Wenn im ganzen Gespräch von Huber Bau die Rede ist, wird aus „Hube Bau“ zuverlässig „Huber Bau“. Das spart viel Kleinarbeit.
Das Risiko liegt woanders: Ein Sprachmodell neigt dazu, Text zu glätten, Füllwörter zu streichen oder Lücken plausibel zu ergänzen – im schlimmsten Fall mit Inhalten, die nie gesagt wurden (siehe Halluzination). Für Protokolle ist eine geglättete Fassung meist in Ordnung. Für wörtliche Transkripte und Zitate sollte das Original erhalten bleiben und an den entscheidenden Stellen mit der Aufnahme verglichen werden.
Hilfreich sind Werkzeuge, die Original und korrigierte Fassung nebeneinander zeigen oder Änderungen markieren. Dann lässt sich in Sekunden nachvollziehen, was die KI verändert hat.
Automatisch: Stimme 1 (00:12:40): Wir liefern die 50 Paletten bis zum dritten Juni an Hube Bau.
Nach dem Nachhören: Frau Berger (00:12:40): Wir liefern die 15 Paletten bis zum dritten Juli an Huber Bau.
Korrigiert wurden die Menge, der Monat und der Firmenname – und Stimme 1 bekam ihren Namen. Der Rest des Absatzes war fehlerfrei und blieb unangetastet.
Dieser Eintrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Beratung.