Lexikon · Transkription & Audio

Was ist die Wortfehlerrate (WER)?

Kurz erklärt

Die Wortfehlerrate, englisch Word Error Rate (WER), ist das gängigste Maß für die Genauigkeit von Spracherkennung. Sie gibt an, wie viele Wörter ersetzt, ausgelassen oder zusätzlich eingefügt werden müssten, damit das Ergebnis einer korrekten Referenzabschrift entspricht.

Auch genannt: WER · Word Error Rate

So wird die Wortfehlerrate berechnet

Man braucht zwei Texte: eine sorgfältig von Menschen geprüfte Abschrift (die Referenz) und das Ergebnis der Software (die Hypothese). Beide werden Wort für Wort so gegeneinandergelegt, dass möglichst wenige Änderungen nötig sind. Dann zählt man drei Fehlerarten:

  • Ersetzungen (S): ein Wort wurde falsch erkannt – „Mai“ statt „bei“
  • Auslassungen (D): ein gesprochenes Wort fehlt im Ergebnis
  • Einfügungen (I): im Ergebnis steht ein Wort, das nie gesagt wurde

Die Formel lautet: WER = (S + D + I) / N, wobei N die Zahl der Wörter in der Referenz ist. Das Ergebnis wird meist in Prozent angegeben. Je niedriger, desto besser. Manchmal liest man auch die Wortgenauigkeit (Word Accuracy), das ist vereinfacht 100 % minus WER.

Warum die WER über 100 % liegen kann

Weil Einfügungen mitzählen, ist die Wortfehlerrate keine echte Prozentquote. Erfindet ein System bei einem kurzen Satz mit Hintergrundgeräusch viele zusätzliche Wörter, können die Fehler zahlreicher sein als die Wörter der Referenz. Das kommt in der Praxis selten vor, zeigt aber, dass WER eine Fehlerzählung ist und kein Anteil richtiger Wörter.

Aus demselben Grund ist „WER von 10 %“ nicht gleichbedeutend mit „90 % der Wörter stimmen“. Bei vielen Auslassungen kann das Ergebnis sogar kürzer sein als die Referenz und trotzdem eine ähnliche Fehlerrate haben wie ein Text mit vielen Einfügungen.

Was die Wortfehlerrate nicht verrät

Eine einzelne Zahl ist praktisch, aber sie verdeckt einiges, was im Alltag wichtig ist:

  • Alle Fehler zählen gleich. Ein falsches „und“ wiegt so viel wie ein falscher Firmenname oder „fünfzehn“ statt „fünfzig“ – inhaltlich ein riesiger Unterschied.
  • Normalisierung beeinflusst das Ergebnis. Ob „13,50 €“ und „dreizehn Euro fünfzig“ als gleich gelten, ob Groß- und Kleinschreibung und Satzzeichen zählen, wird vor der Berechnung festgelegt. Zwei Messungen mit anderen Regeln sind nicht vergleichbar.
  • Die Testdaten entscheiden. Vorgelesene Nachrichtentexte sind leichter als ein Teamcall mit Dialekt und Unterbrechungen. Eine Angabe ohne Testmaterial sagt wenig.
  • Sprecherzuordnung fehlt. Ob die Sätze der richtigen Person zugeordnet sind, misst die WER nicht. Dafür gibt es eigene Maße für die Sprechererkennung.

WER richtig einordnen

Für Sprachen wie Chinesisch oder Japanisch, die ohne Leerzeichen zwischen Wörtern geschrieben werden, nutzt man oft die Zeichenfehlerrate (CER), die nach demselben Prinzip auf Zeichen statt Wörtern rechnet. Im Deutschen kann sie bei langen Komposita ein zusätzlicher Blickwinkel sein: „Steckdosen leisten“ statt „Steckdosenleisten“ ist für die WER ein Doppelfehler, obwohl nur ein Leerzeichen zu viel ist.

Wenn du Anbieter vergleichst, ist ein eigener kleiner Test aussagekräftiger als veröffentlichte Werte: zehn Minuten typisches Material, sauber von Hand abgeschrieben, und dann zählen – oder einfach markieren, wo Namen, Zahlen und Fachbegriffe danebenliegen. Diese Fehler kosten dich später die meiste Zeit.

Beispiel
Rechenbeispiel

Referenz (10 Wörter): „Wir liefern die restlichen Paletten am Montag nach dem Mittag“

Erkannt: „Wir liefern die Paletten am Mittag nach dem dem Mittag“

Fehler: „restlichen“ fehlt (1 Auslassung), „Montag“ wurde zu „Mittag“ (1 Ersetzung), „dem“ steht doppelt (1 Einfügung).

Rechnung: (1 + 1 + 1) / 10 = 0,3 – also eine Wortfehlerrate von 30 %. Inhaltlich wiegt die Ersetzung am schwersten: Geliefert wird am Montag, nicht zu Mittag.

Dieser Eintrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Beratung.

Häufige Fragen
Was ist eine gute Wortfehlerrate?

Das lässt sich nur mit Blick auf das Testmaterial sagen. Bei klaren Aufnahmen ist ein niedriger einstelliger Wert erreichbar, bei Dialekt, Telefonqualität oder Durcheinanderreden deutlich mehr.

Wie berechnet man die Wortfehlerrate?

Ersetzungen plus Auslassungen plus Einfügungen, geteilt durch die Zahl der Wörter in der korrekten Referenzabschrift.

Was ist der Unterschied zwischen WER und CER?

Die WER zählt Fehler auf Wortebene, die CER (Character Error Rate) auf Zeichenebene. Die CER wird vor allem bei Sprachen ohne Leerzeichen zwischen Wörtern genutzt.

Ist eine niedrige WER eine Garantie für ein brauchbares Transkript?

Nein. Wenige Fehler können genau die wichtigen Stellen treffen, etwa Namen oder Zahlen. Prüf diese Stellen immer gezielt.

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