Lexikon · Transkription & Audio

Was ist Systemaudio?

Kurz erklärt

Systemaudio ist alles, was dein Computer über Lautsprecher oder Kopfhörer ausgibt – die Stimmen im Videocall ebenso wie Videos, Musik und Benachrichtigungstöne. Wer einen Call mitschneiden will, braucht neben dem Mikrofon genau diesen Ton.

Auch genannt: Systemton · Computerton · Desktop-Audio · Ausgabeton

Mikrofon und Systemaudio: zwei Richtungen

Ein Computer verarbeitet Ton in zwei Richtungen. Das Mikrofon ist der Eingang: Es nimmt auf, was im Raum gesprochen wird, im Call also deine Stimme. Das Systemaudio ist der Ausgang: alles, was Programme abspielen, im Call also die Stimmen der anderen.

Ein Aufnahmeprogramm, das nur das Mikrofon mitschneidet, erwischt die Gegenseite höchstens als leises Echo aus dem Lautsprecher – in schlechter Qualität, mit Raumhall und gar nicht, sobald du ein Headset trägst. Für eine vollständige Call-Aufnahme braucht es deshalb beide Quellen. Am besten werden sie getrennt gespeichert, dann ist auch später klar, wer was gesagt hat (siehe Mehrspuraufnahme).

In den Toneinstellungen von Windows und macOS taucht der Begriff Systemaudio meist nicht auf. Dort heißt es Ausgabe oder Wiedergabegerät – also Lautsprecher, Kopfhörer oder Headset. Welches Gerät gerade ausgewählt ist, bestimmt, wohin der Systemton fließt, und damit auch, was eine Aufnahme abgreifen kann.

Wie sich Systemaudio aufnehmen lässt

Windows bietet Programmen eine eingebaute Möglichkeit, den Ton eines Ausgabegeräts direkt abzugreifen, die sogenannte Loopback-Aufnahme. Manche Soundkarten-Treiber zeigen zusätzlich einen Eingang namens „Stereomix“, der standardmäßig oft ausgeblendet ist.

macOS hatte lange keinen eingebauten Weg; man brauchte einen virtuellen Audiotreiber, der sich als zusätzlicher Lautsprecher einklinkt. Neuere macOS-Versionen bieten Apps offizielle Schnittstellen für die Aufnahme des Systemtons – nach einer Freigabe in den Datenschutz-Einstellungen.

Im Browser geht es über das Teilen des Bildschirms: Chrome, Edge und andere Chromium-Browser können den Ton eines einzelnen Tabs mitliefern (Tab-Audio). Beim Teilen des ganzen Bildschirms gibt es zusätzlich eine Option für den Systemton – ob sie erscheint, hängt von Betriebssystem und Browserversion ab.

Ob Mikrofon und Systemaudio danach getrennt bleiben, hängt vom Programm ab. Manche mischen beides sofort zu einer Spur. Das spart Platz, verschenkt aber die Information, wer gesprochen hat – die muss dann die Sprechererkennung nachträglich wieder herausrechnen.

Was alles im Systemaudio landet

Der Systemton unterscheidet nicht zwischen wichtig und unwichtig. Bei einer Aufnahme ist alles dabei, was der Computer gerade abspielt:

  • Benachrichtigungstöne von Mail, Chat und Kalender
  • ein Video, das in einem anderen Tab weiterläuft
  • Töne anderer Programme, etwa einer Musik-App
  • Ansagen eines Bildschirmlesers

Vor wichtigen Aufnahmen hilft deshalb der Nicht-stören-Modus, und andere Tonquellen werden geschlossen. Eine zweite Stolperfalle ist der Gerätewechsel mitten im Call: Verbindet sich ein Bluetooth-Kopfhörer, wechselt das Ausgabegerät. Je nach Programm folgt die Aufnahme dem Wechsel oder nimmt plötzlich nur noch Stille auf – ein kurzer Blick auf die Pegelanzeige zeigt es.

Und weil im Systemaudio die Stimmen anderer Menschen stecken, gilt für den Mitschnitt dasselbe wie für jede Gesprächsaufzeichnung: Alle Beteiligten sollten Bescheid wissen und einverstanden sein.

Beispiel
Die Aufnahme mit nur einer Hälfte

Christina Berger nimmt ein Beratungsgespräch über WhatsApp am Computer mit einer einfachen Recorder-App auf. Die App nutzt nur das Mikrofon. Weil Berger ein Headset trägt, ist in der Aufnahme ausschließlich ihre eigene Stimme – jede zweite Antwort fehlt.

Mit einem Programm, das zusätzlich das Systemaudio mitschneidet, sind beim nächsten Gespräch beide Seiten vollständig drin, und zwar auf getrennten Spuren.

Dieser Eintrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Beratung.

Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Systemaudio und Mikrofon?

Das Mikrofon nimmt auf, was im Raum gesprochen wird. Systemaudio ist alles, was der Computer selbst abspielt – im Call also die Stimmen der anderen.

Kann man am Mac Systemaudio aufnehmen?

Ja. Neuere macOS-Versionen erlauben das Apps nach einer Freigabe in den Datenschutz-Einstellungen; bei älteren Versionen war ein virtueller Audiotreiber nötig.

Warum ist in meiner Aufnahme die Gegenseite nicht zu hören?

Meist nimmt das Programm nur das Mikrofon auf. Mit Headset kommt der Ton der Gegenseite dort gar nicht an; du brauchst eine Aufnahme, die auch den Systemton erfasst.

Werden Benachrichtigungstöne mit aufgenommen?

Ja, wenn sie über dasselbe Ausgabegerät laufen. Der Nicht-stören-Modus verhindert das.

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