Videocalls ohne Installation
Bevor es WebRTC gab, brauchten Videotelefonate im Browser Zusatzsoftware wie Flash oder ein eigenes Programm. Google stellte 2011 eine Technik als Open Source bereit, aus der in den Folgejahren ein gemeinsamer Standard von W3C (für die Schnittstellen im Browser) und IETF (für die Übertragungsprotokolle) wurde. Seit 2021 ist WebRTC offizielle W3C-Empfehlung und in allen großen Browsern eingebaut.
Für dich heißt das: Du klickst auf einen Meeting-Link, erlaubst Kamera und Mikrofon und bist drin. Google Meet, Jitsi Meet, Whereby und die Browser-Versionen vieler anderer Dienste setzen auf WebRTC. Auch viele Desktop- und Smartphone-Apps nutzen die Technik im Hintergrund.
Was WebRTC im Hintergrund erledigt
Ein Videocall wirkt einfach, technisch passiert dabei eine Menge:
- Geräte ansprechen: Kamera und Mikrofon werden erst nach deiner Erlaubnis freigegeben; der Browser zeigt an, solange sie aktiv sind.
- Verbindung finden: Die meisten Geräte sitzen hinter Routern ohne eigene öffentliche Adresse. Hilfsserver (STUN und TURN) helfen, trotzdem einen Weg zum Gegenüber zu finden oder die Daten notfalls weiterzuleiten.
- Ton und Bild komprimieren: Für Sprache ist der Opus-Codec vorgeschrieben, für Video unter anderem VP8 und H.264. Bitrate und Qualität passen sich laufend an die Leitung an.
- Störungen ausgleichen: Echounterdrückung, Rauschunterdrückung und ein Puffer gegen schwankende Paketlaufzeiten sorgen für ein flüssiges Gespräch.
- Verschlüsseln: Ton und Bild werden bei der Übertragung immer verschlüsselt (DTLS-SRTP) – unverschlüsselte Verbindungen sieht der Standard gar nicht vor.
Direkt oder über einen Server
Bei einem Gespräch zu zweit können die Daten direkt von Gerät zu Gerät fließen (Peer-to-Peer). Das spart Umwege und hält die Latenz niedrig. Bei Gruppencalls wird das schnell zu viel: Jeder müsste seinen Videostrom an jeden anderen schicken. Deshalb laufen Meetings mit mehreren Personen fast immer über Medienserver (SFU), die die Ströme einsammeln und gezielt weiterverteilen.
Für die Verschlüsselung macht das einen Unterschied. Die Verbindung von deinem Gerät zum Server ist verschlüsselt, der Server selbst kann die Daten aber technisch verarbeiten – das braucht er etwa für Aufzeichnung oder Transkription durch die Plattform. Manche Dienste bieten zusätzlich eine End-to-End-Verschlüsselung an, bei der auch der Server nur verschlüsselte Daten sieht; dann fallen solche Serverfunktionen meist weg.
WebRTC und Aufnahmen
Zur WebRTC-Familie gehören auch die Schnittstellen, mit denen eine Website Bildschirm und Tab-Audio teilen darf. Darauf beruhen Aufnahmewerkzeuge, die direkt im Browser laufen: Sie nehmen den Ton eines Meeting-Tabs und das Mikrofon auf, ohne dass ein zusätzlicher Teilnehmer im Call erscheint.
Eine Aufnahme ohne Zutun ist dabei nicht möglich. Der Browser fragt jedes Mal ausdrücklich, ob und was geteilt werden darf, und zeigt deutlich an, solange geteilt wird. Das ist gewollt: Keine Website soll heimlich mithören können.
Herbert Gruber klickt auf den Link zur Vorstandssitzung seines Vereins, die über Jitsi Meet läuft. Der Browser fragt nach Kamera und Mikrofon, er erlaubt beides.
Im Hintergrund baut WebRTC eine verschlüsselte Verbindung zum Medienserver auf, wählt Opus für den Ton und passt die Videoqualität an sein mäßiges WLAN an. Als zwei weitere Mitglieder dazukommen, merkt Herbert davon nichts – außer den neuen Kacheln auf dem Bildschirm.
Dieser Eintrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Beratung.