Lexikon · Recht & Datenschutz

Was sind personenbezogene Daten?

Kurz erklärt

Personenbezogene Daten sind alle Informationen, die sich auf eine identifizierte oder identifizierbare lebende Person beziehen (Art. 4 Nr. 1 DSGVO). Dazu zählen Name und Telefonnummer, aber auch Meinungen, Stimmaufnahmen oder eine Kundennummer.

Auch genannt: personenbezogene Informationen · Personendaten · personal data (englisch)

Die Definition, Wort für Wort

Die DSGVO spricht von „allen Informationen“, die sich auf eine natürliche Person beziehen. Das ist bewusst weit: Es geht nicht nur um Stammdaten wie Name, Adresse oder Geburtsdatum, sondern auch um Einschätzungen, Aussagen und Verhaltensdaten. Der Satz „Frau Gruber hält das Angebot für zu teuer“ im Protokoll ist ein personenbezogenes Datum über Frau Gruber.

Identifiziert ist eine Person, wenn klar ist, um wen es geht. Identifizierbar ist sie, wenn sie sich direkt oder indirekt bestimmen lässt – laut Art. 4 Nr. 1 etwa über einen Namen, eine Kennnummer, Standortdaten, eine Online-Kennung oder besondere Merkmale ihrer körperlichen, wirtschaftlichen, kulturellen oder sozialen Identität.

Ob die Information stimmt, spielt keine Rolle. Auch eine falsche Angabe über jemanden ist ein personenbezogenes Datum – sonst ergäbe das Recht auf Berichtigung in Art. 16 keinen Sinn. Und es muss nicht um Privates gehen: Dienstliche Telefonnummer, Rolle im Projekt oder die Zahl der erledigten Tickets einer Mitarbeiterin sind ebenso erfasst. Erwägungsgrund 30 nennt außerdem Online-Kennungen wie IP-Adressen und Cookie-Kennungen, die – mit anderen Informationen kombiniert – zur Identifizierung genutzt werden können.

Wann ist jemand „identifizierbar“?

Erwägungsgrund 26 gibt den Maßstab vor: Es zählen alle Mittel, die der Verantwortliche oder eine andere Person „nach allgemeinem Ermessen wahrscheinlich“ nutzt, um jemanden zu identifizieren – unter Berücksichtigung von Kosten, Zeitaufwand und verfügbarer Technik. Ein Protokoll, in dem nur „der neue Vertriebsleiter aus Steyr“ steht, kann deshalb personenbezogen sein, obwohl kein Name fällt.

Wie weit das reicht, zeigt das Urteil des EuGH in der Rechtssache Breyer (C-582/14): Eine dynamische IP-Adresse war für einen Websitebetreiber ein personenbezogenes Datum, weil er rechtliche Mittel hatte, die Person über die Zusatzinformationen des Internetanbieters bestimmen zu lassen. Das Urteil betraf noch die alte Datenschutzrichtlinie, deren Definition ähnlich aufgebaut war.

Typische Beispiele aus Büro und Meeting

Ob etwas personenbezogen ist, hängt vom Zusammenhang ab. Einige Fälle zur Orientierung:

InformationPersonenbezogen?Warum
Teilnehmerliste mit NamenjaPersonen sind direkt identifiziert
Sprachaufnahme eines Kundengesprächsin aller Regel jaStimme und Inhalt lassen sich einer Person zuordnen
Transkript mit „Stimme 1“, „Stimme 2“oft jaInhalt, Kontext oder Meetingtitel verraten meist, wer spricht
Umsatz der Firma Huber GmbHgrundsätzlich neinbetrifft eine juristische Person; anders, wenn die Zahl Rückschlüsse auf eine bestimmte Person zulässt
Statistik „12 Meetings pro Woche im Team“meist neinkeine Person bestimmbar, solange das Team nicht nur aus einer Person besteht

Nicht erfasst sind laut Erwägungsgrund 27 die Daten Verstorbener; die Staaten dürfen dafür eigene Regeln vorsehen.

Abgrenzung: sensibel, pseudonym, anonym

Manche personenbezogenen Daten schützt die DSGVO besonders streng, etwa Gesundheitsdaten oder politische Meinungen. Diese besonderen Kategorien dürfen nur unter zusätzlichen Voraussetzungen verarbeitet werden. Eine normale Stimmaufnahme gehört nicht automatisch dazu – biometrisch im Sinne der DSGVO wird sie erst, wenn sie mit speziellen technischen Verfahren zur eindeutigen Identifizierung ausgewertet wird.

Pseudonymisierte Daten bleiben personenbezogen, weil sich der Bezug mit Zusatzwissen wiederherstellen lässt. Erst wirklich anonymisierte Daten fallen aus der DSGVO heraus – dafür darf die Person nicht mehr identifiziert werden können, auch nicht über Umwege. Bei Interviewtranskripten ist das schwerer, als es aussieht: Ein Beruf, ein Ort und eine Anekdote reichen oft, um jemanden wiederzuerkennen.

Beispiel
Ein Protokollsatz, mehrere Personenbezüge

„Herr Leitner (Einkauf) sagt zu, die Rahmenvereinbarung bis 14. 3. zu prüfen. Frau Moser ist ab April in Karenz (in Deutschland: Elternzeit), Vertretung übernimmt Herr Steiner.“

Dieser eine Absatz enthält personenbezogene Daten über drei Personen: eine Zusage, eine Abwesenheit samt Grund und eine neue Zuständigkeit. Ob „Karenz“ ins Protokoll gehört, ist eine Frage der Datenminimierung – für die Vertretungsregel genügt „ab April abwesend“.

Dieser Eintrag gibt einen allgemeinen Überblick und ersetzt keine Rechtsberatung.

Häufige Fragen
Ist eine E-Mail-Adresse ein personenbezogenes Datum?

Eine Adresse wie vorname.nachname@firma.at ja, weil sie eine Person direkt bezeichnet. Auch eine Sammeladresse wie office@ kann es sein, wenn dahinter erkennbar nur eine Person steht.

Sind Firmendaten personenbezogen?

Daten über juristische Personen wie eine GmbH grundsätzlich nicht. Anders bei Einzelunternehmern oder wenn Firmendaten Rückschlüsse auf eine bestimmte Person erlauben, etwa auf den Geschäftsführer.

Ist meine Stimme ein personenbezogenes Datum?

Eine Aufnahme, die einer Person zugeordnet werden kann, ist in aller Regel personenbezogen. Zum besonders geschützten biometrischen Datum wird sie erst, wenn sie technisch zur eindeutigen Identifizierung ausgewertet wird.

Gilt die DSGVO für Daten Verstorbener?

Nein, laut Erwägungsgrund 27 nicht. Die Mitgliedstaaten können dafür aber eigene Regeln erlassen.

Dein nächster Call
schreibt sich selbst mit.

7 Tage alles aus Pro gratis – ohne Kreditkarte.

Jetzt kostenlos testen