Kurz, täglich, immer gleich
Das Daily Stand-up stammt aus der agilen Softwareentwicklung, wird heute aber auch in Marketing-, Support- oder Bauteams genutzt. Die Idee: Statt einer langen Wochenbesprechung trifft sich das Team jeden Tag kurz, damit niemand tagelang an etwas arbeitet, das längst überholt ist, oder auf eine Antwort wartet, die in zwei Minuten gegeben wäre.
Drei Merkmale machen das Format aus: Es ist kurz (meist 15 Minuten), täglich und immer zur selben Zeit am selben Ort – vor dem Whiteboard, am Taskboard oder im immer gleichen Videolink. Das Stehen ist kein Selbstzweck, sondern ein Hilfsmittel: Wer steht, fasst sich kürzer.
Daily Stand-up und Daily Scrum
In Scrum heißt das Treffen Daily Scrum. Der Scrum Guide in der Fassung von 2020 beschreibt es als 15-minütiges Ereignis für die Developers, das an jedem Arbeitstag des Sprints zur selben Zeit und am selben Ort stattfindet. Es soll den Fortschritt in Richtung Sprint-Ziel prüfen und einen umsetzbaren Plan für den nächsten Arbeitstag ergeben.
Bemerkenswert ist, was der aktuelle Scrum Guide nicht vorschreibt: die berühmten drei Fragen („Was habe ich gestern gemacht? Was mache ich heute? Was hindert mich?“). Frühere Fassungen nannten sie als mögliche Struktur; heute überlässt der Guide es den Developers, wie sie ihr Daily gestalten. Außerhalb von Scrum ist „Daily Stand-up“ der allgemeinere Begriff ohne festes Regelwerk.
Typische Abläufe
Teams haben verschiedene Varianten entwickelt. Die drei häufigsten:
- Reihum: Jede Person sagt in ein, zwei Sätzen, woran sie arbeitet und ob sie etwas braucht. Einfach, kann aber zum Statusbericht an die Leitung verkommen.
- Am Board entlang: Das Team geht die Aufgaben auf dem Taskboard von rechts (fast fertig) nach links (neu) durch. Im Mittelpunkt steht die Arbeit, nicht die Person – beliebt bei Kanban-Teams.
- Ziel zuerst: Man fragt gemeinsam, ob das Sprint- oder Wochenziel noch erreichbar ist und was dafür heute passieren muss.
In allen Varianten gilt: Probleme werden im Daily nur genannt, nicht gelöst. Wer etwas klären muss, verabredet sich direkt danach zu einem kurzen Nachgespräch, an dem nur die Betroffenen teilnehmen.
Woran ein Daily scheitert
Das häufigste Problem ist die schleichende Verlängerung: Aus 15 Minuten werden 40, weil Detaildiskussionen nicht vertagt werden. Ein zweites ist der Rechenschaftsbericht – alle erzählen der Teamleitung, wie fleißig sie waren, statt einander zuzuhören. Und drittens verschwinden genannte Hindernisse, die sogenannten Impediments, wenn niemand sie notiert und sich darum kümmert.
Ein ausführliches Protokoll braucht ein Daily nicht. Sinnvoll ist aber eine sichtbare Liste der Hindernisse und der verabredeten Nachgespräche. Praktische Tipps für kurze, nützliche Runden stehen im Ratgeber Stand-up-Meeting.
9:00 Uhr, fünf Personen, Video. Das Team geht die offenen Tickets am Board durch.
Lisa Huber: Kundin Leitner wartet auf eine Gutschrift – ich brauche dafür heute die Freigabe aus der Buchhaltung.
Markus Berger: Der Fehler beim Login ist reproduzierbar, ich schreibe bis Mittag den Bericht für die Entwicklung.
Festgehalten: Hindernis „Freigabe Gutschrift“ – Teamleitung klärt bis 11 Uhr. Nachgespräch Login-Fehler: Berger und Huber direkt im Anschluss. Dauer: 12 Minuten.
Dieser Eintrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Beratung.