Unkomprimiert: einfache Rechnung
Bei unkomprimiertem Audio, etwa in einer WAV-Datei, ergibt sich die Bitrate direkt aus drei Größen: Abtastrate mal Bittiefe mal Anzahl der Kanäle. Eine Audio-CD hat 44.100 Messwerte pro Sekunde, 16 Bit pro Wert und zwei Kanäle – das sind 1.411,2 kbit/s.
Eine Sprachaufnahme mit 48 kHz, 16 Bit und einem Kanal kommt auf 768 kbit/s. Klingt abstrakt, wird aber schnell konkret: Eine Stunde davon belegt rund 346 MB – viel zu groß für einen gewöhnlichen Mailanhang.
Komprimiert: die Bitrate ist eine Einstellung
Bei verlustbehafteten Formaten wie MP3, AAC oder Opus wählt man die Bitrate selbst. Der Audio-Codec entscheidet dann, welche Informationen er weglässt, um mit dieser Datenmenge auszukommen. Je niedriger die Bitrate, desto mehr wird weggelassen – irgendwann klingt es blechern, verwaschen oder zwitschernd.
Wie viel Bitrate nötig ist, hängt stark vom Codec und vom Inhalt ab. Sprache ist einfacher als Musik, moderne Codecs sind effizienter als ältere. Das Xiph-Projekt, das Opus entwickelt hat, gibt für Internettelefonie an, dass Opus bei etwa 24 kbit/s Sprache bereits in voller Bandbreite liefern sollte. MP3 braucht für ähnlich guten Klang deutlich mehr; für Musik sind dort 128 bis 320 kbit/s üblich.
Dateigröße selbst ausrechnen
Die Formel ist einfach: Bitrate mal Dauer in Sekunden, geteilt durch 8, ergibt Bytes. Ein paar Beispiele für eine Stunde Aufnahme:
| Format und Einstellung | Bitrate | Größe für 1 Stunde |
|---|---|---|
| WAV, 48 kHz, 16 Bit, Stereo | 1.536 kbit/s | ca. 691 MB |
| WAV, 48 kHz, 16 Bit, Mono | 768 kbit/s | ca. 346 MB |
| MP3 | 128 kbit/s | ca. 58 MB |
| Opus, Sprache | 32 kbit/s | ca. 14 MB |
Für Upload und Speicherung von Gesprächsaufnahmen macht das einen großen Unterschied – bei gleicher Verständlichkeit.
Konstant, variabel, gemittelt
Komprimierte Dateien können die Bitrate auf drei Arten handhaben:
- CBR (konstante Bitrate): jede Sekunde gleich viele Daten. Vorhersehbar, aber verschwenderisch bei Stille und knapp bei komplexen Passagen.
- VBR (variable Bitrate): der Encoder verteilt die Daten nach Bedarf. Bei gleicher Dateigröße meist besserer Klang.
- ABR (durchschnittliche Bitrate): variabel, aber mit einem festen Mittelwert als Ziel.
Bitrate und Transkription
Für die Spracherkennung zählt Verständlichkeit, nicht Klangschönheit. Eine mittlere Bitrate mit einem modernen Codec reicht völlig. Problematisch sind sehr niedrige Bitraten mit hörbaren Artefakten und mehrfach umgewandelte Dateien: Jede erneute verlustbehaftete Komprimierung fügt neue Fehler hinzu. Wenn möglich, gib die Originalaufnahme weiter, statt eine MP3 aus einer MP3 zu erzeugen.
Und: Eine Datei mit höherer Bitrate neu abzuspeichern, verbessert nichts. Was beim ersten Komprimieren verloren ging, bleibt weg.
Bei Videos gilt übrigens eine eigene Bitrate für das Bild, die meist ein Vielfaches der Tonbitrate beträgt. Wer nur den Inhalt eines Vortrags oder Interviews transkribieren will, spart deshalb viel Upload-Zeit, wenn er vorher nur die Tonspur exportiert.
Doris Brandstätter nimmt ein 45-minütiges Experteninterview auf. Als WAV mit 48 kHz und 16 Bit in Stereo sind das rund 518 MB – zu groß für den Mailanhang an ihre Betreuerin.
Als Opus mit 32 kbit/s in Mono sind es rund 11 MB. Die Stimmen sind genauso gut verständlich, und die Transkription läuft mit der kleineren Datei genauso.
Dieser Eintrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Beratung.