Lexikon · KI & Technik

Was ist maschinelles Lernen?

Kurz erklärt

Maschinelles Lernen (Machine Learning, ML) ist ein Teilgebiet der KI, bei dem ein Computer Regeln nicht vorgegeben bekommt, sondern sie selbst aus Beispieldaten ableitet. Das Ergebnis ist ein Modell, das sich auf neue, unbekannte Fälle anwenden lässt.

Auch genannt: Machine Learning · ML

Programmieren oder lernen lassen

Angenommen, ein Büro will eingehende E-Mails automatisch in „Rechnung“, „Terminanfrage“ und „Sonstiges“ sortieren. Klassisch würde man Regeln schreiben: Steht „Rechnung“ im Betreff, ab in den Rechnungsordner. Das klappt, bis jemand „Faktura“, „Zahlungsaufforderung“ oder gar nichts in den Betreff schreibt.

Beim maschinellen Lernen geht man umgekehrt vor: Man sammelt einige tausend bereits richtig einsortierte Mails und lässt ein Verfahren daraus selbst ableiten, woran man die Kategorien erkennt – Wörter, Absender, Anhänge, Formulierungen. Das Ergebnis ist ein Modell: eine gelernte Zuordnungsvorschrift, die auch Mails einordnen kann, die so noch nie vorgekommen sind.

Die drei Grundformen des Lernens

Je nachdem, welche Daten zur Verfügung stehen, unterscheidet man drei klassische Lernarten:

LernartWie gelernt wirdBeispiel
Überwachtes Lernenaus Beispielen mit richtiger Antwort („Label“)Mails mit bekannter Kategorie, Audio mit fertigem Transkript
Unüberwachtes LernenMuster in Daten ohne vorgegebene Antworten findenKundenfeedback automatisch in Themengruppen bündeln
Bestärkendes Lernendurch Ausprobieren und Belohnung für gute ErgebnisseSpielstrategien, Feinschliff von Chat-Assistenten mit menschlichem Feedback

Eine wichtige Mischform ist das selbstüberwachte Lernen: Die „richtigen Antworten“ stecken in den Daten selbst. Große Sprachmodelle lernen so im Vortraining, indem sie in riesigen Textmengen immer wieder das nächste Wort vorhersagen.

Training und Anwendung

Maschinelles Lernen hat zwei klar getrennte Phasen. Im Training passt das Verfahren die internen Zahlenwerte des Modells so lange an, bis seine Vorhersagen auf den Trainingsdaten möglichst gut stimmen. Das ist rechenintensiv und passiert einmal oder in größeren Abständen. In der Anwendung, der Inferenz, wird das fertige Modell nur noch genutzt – es lernt dabei nichts mehr dazu.

Damit ein Modell nicht bloß auswendig lernt, hält man einen Teil der Daten zurück und prüft damit, wie gut es mit Unbekanntem zurechtkommt. Ein Modell, das die Trainingsbeispiele perfekt beherrscht, an neuen Fällen aber scheitert, ist überangepasst (englisch „Overfitting“) – wie jemand, der die Prüfungsfragen des Vorjahres auswendig kann, aber den Stoff nicht verstanden hat.

Neuronale Netze und Deep Learning

Die leistungsfähigsten Verfahren sind heute künstliche neuronale Netze: viele Schichten einfacher Recheneinheiten, deren Verbindungen beim Training gewichtet werden. Sind es viele Schichten, spricht man von Deep Learning. Darauf beruhen moderne Spracherkennung, Bilderkennung und Sprachmodelle.

Der Preis dafür: Solche Modelle brauchen große Datenmengen und viel Rechenleistung, und es ist schwer nachzuvollziehen, warum sie im Einzelfall so entscheiden, wie sie entscheiden.

Wo maschinelles Lernen an Grenzen stößt

Ein Modell kann nur so gut sein wie seine Daten. Was darin fehlt, kennt es nicht: Wurde eine Spracherkennung kaum mit österreichischem Dialekt trainiert, erkennt sie ihn schlechter. Verzerrungen in den Daten – etwa wenn eine Gruppe über- oder unterrepräsentiert ist – übernimmt das Modell ungefragt.

Außerdem lernt ein Modell Zusammenhänge, keine Ursachen. Es merkt sich, was oft gemeinsam auftritt, nicht warum. Für Entscheidungen mit Folgen für Menschen braucht es deshalb immer jemanden, der die Ergebnisse einordnet.

Beispiel
Ein lernender Posteingang

Kanzlei Berger lässt ein Modell mit den sortierten Mails der letzten zwei Jahre trainieren. Danach kommt eine neue Nachricht: „Wir bräuchten bitte noch etwas mehr Zeit für die Unterlagen, ginge Ende des Monats?“

Das Wort „Frist“ kommt nicht vor – trotzdem ordnet das Modell die Mail mit hoher Wahrscheinlichkeit der Kategorie „Fristverlängerung“ zu, weil ähnliche Formulierungen in den Trainingsdaten genau dort gelandet sind. Eine feste Stichwortregel hätte sie übersehen.

Dieser Eintrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Beratung.

Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen KI und maschinellem Lernen?

KI ist der Oberbegriff für „intelligente“ Systeme. Maschinelles Lernen ist der heute wichtigste Weg dorthin: Modelle lernen aus Daten, statt fest programmiert zu werden.

Was ist Deep Learning?

Deep Learning ist maschinelles Lernen mit vielschichtigen neuronalen Netzen. Es steckt hinter moderner Sprach- und Bilderkennung sowie hinter großen Sprachmodellen.

Lernt ein KI-Modell bei jeder Nutzung dazu?

In der Regel nicht. Training und Anwendung sind getrennt; das Modell ändert sich erst, wenn es neu trainiert wird.

Wie viele Daten braucht maschinelles Lernen?

Das hängt stark von der Aufgabe ab. Einfache Klassifizierungen kommen mit überschaubaren Mengen aus, große Sprachmodelle brauchen enorme Textmengen.

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