Lexikon · KI & Technik

Was ist generative KI?

Kurz erklärt

Generative KI bezeichnet KI-Systeme, die neue Inhalte erzeugen – Texte, Bilder, Audio, Code oder Video –, statt vorhandene Daten nur zu sortieren oder zu bewerten. Sie lernt Muster aus großen Datenmengen und setzt daraus etwas Neues zusammen.

Auch genannt: GenAI · Generative Artificial Intelligence

Erzeugen statt einordnen

Lange Zeit war KI vor allem eine Entscheidungsmaschine: Ein Spamfilter sagt „Spam“ oder „kein Spam“, eine Bilderkennung sagt „Katze“. Solche Modelle nennt man analytisch oder diskriminativ – sie ordnen ein, was schon da ist.

Generative KI dreht das um. Sie bekommt eine Anweisung, einen Prompt, und liefert ein neues Ergebnis: die Antwort-Mail, das Bild zum Werbetext, die Zusammenfassung eines Transkripts. Das Ergebnis ist nicht aus einer Datenbank kopiert, sondern wird bei jeder Anfrage neu erzeugt.

Wie generative Modelle Inhalte erzeugen

Bei Text arbeiten große Sprachmodelle: Sie berechnen, welches Textstück – ein Token – als nächstes am besten passt, hängen es an und wiederholen das, bis die Antwort fertig ist. Bildgeneratoren arbeiten meist mit sogenannten Diffusionsmodellen: Sie starten mit zufälligem Rauschen und entfernen es Schritt für Schritt, bis ein Bild entsteht, das zur Beschreibung passt.

Gemeinsam ist allen Verfahren, dass ein Stück Zufall im Spiel ist. Deshalb liefert derselbe Prompt zweimal unterschiedliche Ergebnisse. Wie stark dieser Zufall wirkt, lässt sich bei vielen Modellen über die Temperatur einstellen.

Was generative KI erzeugen kann

Die Einsatzfelder überschneiden sich zunehmend, weil viele Modelle mehrere Formen beherrschen:

  • Text: E-Mails, Zusammenfassungen, Übersetzungen, Protokollentwürfe, Antworten auf Fragen
  • Bilder und Grafiken: Illustrationen, Produktentwürfe, Varianten eines Motivs
  • Audio: synthetische Stimmen, Vorlesen von Texten, Musik
  • Code: Programmvorschläge, Formeln für Tabellen, kleine Skripte
  • Mehreres zugleich: multimodale KI, die etwa ein Foto beschreibt oder zu einem Diagramm Fragen beantwortet

Stärken und typische Schwächen

Generative KI ist stark bei Entwürfen, Varianten und Verdichtung: Sie formuliert eine sperrige Notiz verständlich um, macht aus einer Stunde Gespräch eine halbe Seite oder liefert zehn Ideen für einen Betreff. Das spart vor allem bei Routinetexten viel Zeit.

Die Kehrseite: Die Modelle prüfen keine Fakten. Sie erzeugen plausible Inhalte – und plausibel ist nicht dasselbe wie richtig. Erfundene Details sind als Halluzination bekannt. Dazu kommen offene Fragen zu Urheberrecht und Trainingsdaten sowie zum Datenschutz, wenn vertrauliche Inhalte in ein Tool eingegeben werden. Die EU-KI-Verordnung sieht außerdem Transparenzpflichten für bestimmte KI-generierte Inhalte vor.

Mit Augenmaß einsetzen

Im Arbeitsalltag bewährt sich eine einfache Haltung: Die KI liefert den Entwurf, der Mensch bleibt verantwortlich. Je folgenreicher ein Text ist – ein Angebot, eine Zusage an Kund:innen, ein Beschluss –, desto genauer wird gegengelesen. Zahlen, Namen, Termine und Zitate sind die Stellen, an denen sich ein Blick ins Ausgangsmaterial am meisten lohnt.

Am besten funktioniert generative KI, wenn sie mit echtem Material arbeitet statt aus dem Gedächtnis: Wer ein Transkript, ein Briefing oder eine Mail mitliefert und um eine Zusammenfassung oder Antwort bittet, bekommt deutlich verlässlichere Ergebnisse als mit einer offenen Frage. Für Teams lohnt sich außerdem eine kurze Regelung, welche Inhalte in welches Tool dürfen und wer die Ergebnisse freigibt – das schützt vor vertraulichen Daten im falschen Dienst und vor ungeprüften Texten an Kund:innen.

Beispiel
Generative KI im Agenturalltag

Studio Berger bekommt ein Briefing für eine Bäckerei-Kampagne. Die Texterin gibt der KI ihre Stichpunkte und bittet um acht Claims im Ton „regional, ehrlich, ein bisschen frech“.

Von den acht Vorschlägen sind drei brauchbar, einer gefällt dem Team auf Anhieb. Ein Claim behauptet „seit 1890“ – das hat die KI erfunden, die Bäckerei gibt es erst seit 1974. Genau so eine Stelle fällt beim Gegenlesen auf und fliegt raus.

Dieser Eintrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Beratung.

Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen KI und generativer KI?

Generative KI ist ein Teil der KI. Klassische KI erkennt oder bewertet etwas, generative KI erzeugt neue Inhalte wie Texte oder Bilder.

Welche Beispiele für generative KI gibt es?

Bekannt sind Chat-Assistenten wie ChatGPT, Claude oder Gemini für Text sowie Bildgeneratoren. Auch Stimmen-Synthese und Code-Assistenten gehören dazu.

Sind Texte von generativer KI immer richtig?

Nein. Die Modelle erzeugen plausible Inhalte, prüfen aber keine Fakten. Zahlen, Namen und Zitate solltest du immer gegenprüfen.

Muss ich KI-generierte Texte kennzeichnen?

Das hängt vom Einsatz ab. Die EU-KI-Verordnung sieht Transparenzpflichten für bestimmte Fälle vor, etwa für Deepfakes oder Texte zur Information der Öffentlichkeit. Im Zweifel rechtlich beraten lassen.

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